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Der Klartext-Check: KI als ehrlicher Erstleser

Carsten Rossi

Wie du als Kommunikator*in mit KI dein Handwerk schärfst – und unbequeme Botschaften ehrlicher machst. KI-Experte Carsten Rossi zeigt, wie es klappt.

Aus der Werkstatt

Die häufigste Schwäche interner Mitteilungen ist nicht der Tippfehler, sondern die Weichspülerei: „Wir richten uns zukunftsorientiert neu aus“ heißt zu oft „es fallen Stellen weg“ — und alle wissen es, nur steht es nirgends. Richtig kontextualisiert kann KI im Sparring echten Nutzen haben. Sie kann dir ungerührt zurückspiegeln, was du beim Schreiben (bewusst oder gesteuert) überlesen hast. Sie hat im Zweifelsfall keine Scheu, keine Loyalität zur Abteilungsleitung und kein intrinsisches Interesse daran, dass es nett klingt.

Der folgende Beispiel-Prompt kann eine Art sein, ihr diesen Spiegel in die Hand zu drücken. Er liefert dir im Ergebnis drei Dinge zur Reflexion: wo dein Entwurf ausweicht, was die Belegschaft wirklich fragen wird, und einen ehrlicheren Vorschlag für die schwächste Stelle.

Du bist ein erfahrener interner Kommunikator mit feinem Gespür für
Euphemismen und Management-Sprech. Ich gebe dir den Entwurf einer
internen Mitteilung (z. B. zu Reorganisation, Tool-Wechsel oder einer
unbequemen Entscheidung).

Analysiere ihn in drei Schritten. Gib NUR aus, was du sicher aus dem
Text ableiten kannst — erfinde keine Fakten:

  • KLARTEXT-CHECK
    Markiere bis zu 5 Stellen, an denen der Text vage, beschönigend oder ausweichend wird. Zitiere die Stelle und benenne, was vermutlich gemeint, aber nicht gesagt ist.
  • FRAGEN DER BELEGSCHAFT
    Liste die 5 Fragen auf, die Mitarbeitende nach dem Lesen WIRKLICH stellen werden — auch die unbequemen, die der Text umgeht.
  • EHRLICHERE VERSION
    Formuliere die schwächste Passage konkreter und ehrlicher um. Fehlen dir dafür Informationen, sag das ausdrücklich, statt zu raten.

Hier ist der Entwurf:
[DEINEN TEXT EINFÜGEN]


Das ist kein Wunderprompt aus der „1000 Prompts for your professional success“-Kiste, sondern ein Beispiel für kollaboratives Arbeiten mit Sprachmodellen. Du sollst dir einfach Fragen stellen lassen, die du beim Schreiben verdrängt hast und die sich Praktikannt*innen nicht zu stellen trauen. Wenn deine Change-Mail diesen Check nicht übersteht, sollte sie nicht raus.


Carsten Rossi, ist Geschäftsführer von Kammann Rossi, und beschäftigt sich intensiv mit KI in Unternehmenskommunikation und Marketing. Mit AssistantOS hat seine Agentur eine KI-Plattform für kreative Teams entwickelt.

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