Kommunikation läuft täglich – oftmals ohne, dass wir uns dessen bewusst sind. Doch welchen Einfluss hat die tägliche Kommunikation auf die psychische Gesundheit? Und wie beeinflusst eine gute interne Kommunikation Gesundheit?

Kommunikationskanäle richtig nutzen

Wenn wir an Kommunikation denken, ploppt meistens als Erstes das gesprochene oder geschriebene Wort auf. Wir kommunizieren face to face, schreiben E-Mails, sehen uns im Video-Chat oder telefonieren. Diese Kommunikation ist bewusst und Fakten-basiert. Wörter und Inhalt können gezielt gewählt werden. Dieser Teil der Kommunikation macht allerdings nur 7 Prozent von dem aus, was Menschen verarbeiten.

Der Großteil der Kommunikation wird unterhalb der Faktenebene ausgetragen:

  • 55 Prozent werden von der Körpersprache wie Körperhaltung, Gestik und Augenkontakt beeinflusst
  • 38 Prozent ergänzen sich durch die Stimmlage.

Gute Kommunikation ist für uns demnach viel mehr das „wie“ ich etwas sage als das „was“ ich sage. Diese Erkenntnis ist fundamental, denn im Grunde geht es immer viel mehr um die Art und Weise, wie man den Menschen in seinem Umfeld gegenübertritt als um das, was man macht.

Der Einfluss von guter Kommunikation auf die Psyche

Doch wie genau schlägt sich Kommunikation auf die psychische Gesundheit nieder? Eine ausgeprägte und stabile psychische Gesundheit basiert auf Resilienz und Wohlbefinden. Antonovski (1987) beschreibt diesen Zustand von Wohlbefinden und Resilienz mit Kohärenz: Ob Menschen ein Kohärenzgefühl spüren, hängt davon ab, ob Situationen und Begegnungen für sie

  • handhabar
  • sinnhaft und
  • verstehbar sind.

Was hat das mit guter interner Kommunikation in Unternehmen zu tun? Sehr viel, denn die Arbeitsorganisation, die Begleitung von Veränderungen, Zielvereinbarungen, die Kommunikation der Unternehmenswerte oder der simple Onboarding-Prozess eines Unternehmens können diese Faktoren durch gelebte Kommunikation erfüllen – oder eben nicht.

Die Umsetzbarkeit guter Kommunikation im Unternehmen

Case 1: Veränderungsmanagement

Ein Beispiel macht dies deutlich: Jede*r Angestellte eines Unternehmens kennt diese Situation: Das Unternehmen präsentiert freudig, dass ab sofort der Prozess XY anders läuft – am besten mit einer neuen Software und neuen Tools, die keine*r kennt. Mitarbeitende werden vor vollendete Tatsachen gestellt. Es gibt keine Erklärungen zu dem Warum. Wo bleiben da die Sinnhaftigkeit und Verstehbarkeit für den Mitarbeitenden? Auch die Handhabbarkeit ist eingeschränkt – denn wie soll der neue Prozess umgesetzt werden, wenn die Skills und Schulungen fehlen, um die neue Software zu bedienen? Die Folge: Die Psyche leidet, weil schlechte interne Kommunikation Gesundheit belastet. Die Organisation und ihre Mitglieder werden enorm gestresst.

Diese Situation hätte umgangen werden können, wenn es eine frühzeitige und gute interne Kommunikation gegeben hätte. Eine interne Kommunikation, die die Mitarbeitenden einbezieht, ihr Engagement wertschätzt und die Gründe für die anstehende Veränderung sinnhaft darlegt.

Case 2: Entwicklungs- und Feedback-Gespräche

Wie interne Kommunikation Gesundheit beeinflusst, wird noch deutlicher beim Blick auf Entwicklungs-Gespräche mit Mitarbeitenden. Feedback wird schon lange großgeschrieben: Gebt euren Mitarbeitenden Feedback! Nur so können Menschen lernen und sich entwickeln. Aber wie wird das Feedback gegeben? Oftmals nur dann, wenn etwas schiefläuft. Das gefällt dem Selbstwert gar nicht – Mitarbeitende gehen in Resonanz, fühlen sich nicht in Gänze gesehen und gehen eher demotiviert und frustriert aus dem Gespräch.

Feedback wird nur dann eine Wirkung von Wachstum und Entwicklung bei einem Menschen haben, wenn auch dieses sinnhaft und wertschätzend ist. Ich werde für etwas gelobt, das für mich mehr als selbstverständlich ist? Das fühlt sich eher lächerlich als aufbauend an. Der Chef weiß gar nicht, was ich täglich tue, aber gibt mir trotzdem eine Bewertung? Wie soll ich das als Mitarbeitende ernst nehmen oder verstehen? Ich, als Mitarbeitende, muss verstehen, welche Entwicklung für mich sinnvoll ist. Welches Ziel ist für mich und meine berufliche Entwicklung nachvollziehbar und attraktiv zu erreichen? Was brauche ich, um dieses Ziel zu erreichen? Vielleicht ist eine Befähigung wichtig, eine Experience der neuen Rolle oder einfache Rahmenbedingungen, die angepasst werden müssten. All diese Themen müssen in dem Mitarbeitergespräch thematisiert und kommuniziert werden.

Case 3: Fehlerkultur

Und der Prozess kann noch weitergedacht werden: Feedback soll zur Entwicklung beitragen. Entwicklung bedeutet immer lernen. Wie geht Lernen? Es funktioniert mit Try and Error – ja, genau, Fehler gehören dazu. Damit das in Unternehmen etabliert werden kann, braucht jeder Mitarbeitende die psychologische Sicherheit, dass Fehler gut sind, um mit dieser Erfahrung zu lernen. Diese psychologische Sicherheit muss dauerhaft kommuniziert und – noch wichtiger – von dem Top- Management vorgelebt werden! Ich werde nur dann darauf vertrauen lernen, dass dieser Entwicklungsprozess mit Fehlern gewünscht ist, wenn ich dies bei meinen mir vorgesetzten Personen beobachten darf. Wenn ich spüre und sehe, dass das gesprochene Wort ernst gemeint ist und mit dem Verhalten und der Stimmung im Team übereinstimmt. Eine gute interne Kommunikation dieser Werte ist die Basis für eine gesunde und nachhaltige Entwicklung und Leistungssteigerung.

Warum gute interne Kommunikation Gesundheit stärkt

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass gute interne Kommunikation Gesundheit der Mitarbeitenden enorm beeinflusst. Gute interne Kommunikation ist der Hebel, um Transparenz und Sinnhaftigkeit im Unternehmen zu stärken. Dies wirkt sich positiv auf die gesamte Arbeitsatmosphäre aus – für Unternehmer*innen wird dies in der Motivation und emotionalen Identifikation der Belegschaft mit der Organisation spürbar. Mit guter interner Kommunikation erhöhen Unternehmer die Chance, dass Mitarbeitende produktiver arbeiten und gemeinsam bessere Ergebnisse für die gesamte Organisation erzielen können.

Linda-Marlen Leinweber ist Coach und Trainerin für psychische Gesundheit. Nach einem Studium der Psychologie in Köln und Berlin fasste sie den Entschluss, beruflich Menschen vor Krankheit schützen zu wollen. Ihr Spezialgebiet: Prävention im betrieblichen Umfeld. Als Inhaberin ihrer eigenen Agentur Linda Leinweber Consulting hilft sie Unternehmen dabei, Mitarbeiter*innen und Führungskräfte mental gesund, leistungsfähig und zufrieden zu halten.

 

Artikelbild: Unsplash

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