Je digitaler die Kommunikation, desto wichtiger die Begegnung – Das war die INSP!RE Köln 2026
Wie kann interne Kommunikation Orientierung geben, wenn Veränderung zum Dauerzustand geworden ist? Welche Rolle will und kann sie künftig im Unternehmen spielen? Bei der INSP!RE am 6. und 7. Oktober in Köln zogen sich diese Fragen durch viele Vorträge, Workshops und Gespräche.
Schon die Keynote zum Auftakt machte deutlich, in welchem Umfeld interne Kommunikation heute arbeitet: Unternehmen befinden sich in permanenten Umbruchsituationen, Mitarbeitende suchen Orientierung und gleichzeitig steigen die Erwartungen an Kommunikation, während KI zunehmend integrale Bestandteile der IK-Arbeit übernimmt.
Orientierung ist wichtiger als vermeintliche Sicherheit
Ein Gedanke tauchte während der beiden Tage immer wieder auf: Kommunikation kann in Veränderungssituationen nicht warten, bis alle Antworten feststehen.
Monika Bruser (Henkel) hat dies in ihrem Best Case sehr klar formuliert. Die Zukunft brauche nicht mehr Kommunikation, sondern mehr Orientierung. Damit verschiebt sich auch der Anspruch an die IK. Entscheidend ist, Relevanz herzustellen, Zusammenhänge zu erklären und Entwicklungen einzuordnen.
Annika Kuchta von Urlaubsguru brachte dafür das Bild der „Landkarte“ ein. Menschen brauchen nicht immer einen festgelegten Pfad, wohl aber eine Vorstellung davon, wo das Unternehmen gerade steht, in welche Richtung es steuert, was bekannt ist und welche Fragen noch offen sind. Transparenz bedeutet dabei nicht Vollständigkeit, sondern Nachvollziehbarkeit. Auch Kerstin Schürmann (BARMER) und Rainer Berghausen (TRUMPF) betonten, dass Wandel kein Projekt mit klarem Anfang und Ende ist. Kommunikation könne deshalb nicht immer Sicherheit schaffen, sehr wohl aber Orientierung.
Strategische Relevanz entsteht nicht von selbst
„Wir wollen früher eingebunden werden“ gehört zu den häufigsten Forderungen der internen Kommunikation. Doch was macht die IK eigentlich zu einer guten strategischen Partnerin?
Lea Wichert von DKB Service stellte genau diese Frage. Kommunikator*innen müssen die Sprache ihres Gegenübers verstehen, nach dem Warum fragen und sich stärker mit den strategischen Entscheidungen des Unternehmens beschäftigen.
Auch im Panel und in weiteren Sessions wurde deutlich, dass die strategische Rolle der IK ihr nicht automatisch zugesprochen wird. Sie muss selbst daran arbeiten.
Im Workshop von Victoria Leipert ging es dazu passend um Glaubenssätze, die Kommunikator*innen daran hindern können, ihre Expertise einzubringen. Aus Sätzen wie „Da fehlt mir die Expertise“ wurden neue Formulierungen wie „Ich bin die Expertin“. Dahinter stand eine zentrale Frage: Wie groß machen wir unsere eigene Rolle eigentlich selbst?
Zwischen „Kill your darlings“ und „Use what you have“
Bei Formaten und Tools zeigte sich ein interessantes Spannungsfeld. Auf der einen Seite steht „Kill your darlings“: Angebote, die keinen Zweck mehr erfüllen, dürfen beendet werden. Auf der anderen Seite „Use what you have“: Ein bestehendes Format muss nicht ersetzt werden, nur weil etwas Neues verfügbar ist. Denn eine gut geschriebene Mail kann hilfreicher sein als ein aufwendiges Toolkit.
KI macht Strukturen sichtbar
Auch Künstliche Intelligenz spielte natürlich eine große Rolle. Auffällig war allerdings, wie schnell sich die Diskussion von einzelnen Tools wegbewegte.
Im Best Case von OTTO ging es vor allem um Wissen und Prozesse. Bevor KI sinnvoll eingesetzt werden kann, muss geklärt werden, welche Informationen verlässlich sind, wie aktuell sie sind und was sie im jeweiligen Kontext bedeuten.
„Urteil ist der Engpass“ lautete eine der Aussagen aus dem Vortrag. Gleichzeitig kann KI sehr deutlich machen, wo Prozesse unscharf sind oder Wissen nur in einzelnen Köpfen liegt.
Im Workshop mit Petra Lammers von onto[story] ging es zusätzlich um Unsicherheiten bei der Einführung, Fragen zum eigenen Standing im Unternehmen sowie ethische und ökologische Bedenken. Gesunde Skepsis und Neugier müssen sich dabei nicht ausschließen.
Je digitaler die Kommunikation, desto wichtiger die Begegnung
Der letzte Best Case der Konferenz brachte ein Thema auf die Bühne, das sich bereits durch viele Beiträge gezogen hatte: persönliche Begegnung.
Unter dem Titel „Präsenz schlägt Pixel?“ zeigten Anne Zimmerling und Linda Mavius von AOK PLUS, welchen Stellenwert analoge Begegnungsräume in einer zunehmend digitalen Arbeitswelt haben können. Genau das zeigte sich auch auf der INSP!RE selbst. Im Speed Café, in den Workshops und bei den Gesprächen während der Pausen wurde diskutiert und weitergedacht.
Digitale Formate können vieles leisten. Das persönliche Zusammenkommen hat aber eine eigene Qualität.
Was aus Köln bleibt
Die INSP!RE Köln hat gezeigt, dass sich viele aktuelle Fragen der internen Kommunikation nicht voneinander trennen lassen. Wer Orientierung geben will, muss Strategie verstehen. Wer Dialog ermöglicht, braucht Verbindlichkeit. Wer KI einsetzen möchte, muss sich mit Wissen, Prozessen und der eigenen Rolle beschäftigen.
Wir danken allen Speaker*innen, die ihre Erfahrungen und Fragen mit uns geteilt haben. Ebenso bedanken wir uns bei allen Teilnehmenden für die gemeinsamen Konferenztage in Köln und den offenen Austausch.
