Was interne Kommunikation wirklich wert ist

Grafik Valuing Internal Communication
Bild: PR Academy – ICRH Europe

Interne Kommunikation wird oft unterschätzt – dabei beeinflusst sie direkt, wie erfolgreich Organisationen arbeiten. Eine aktuelle europäische Studie zeigt erstmals umfassend in dieser Form, welchen messbaren Wert interne Kommunikation für Organisationen, Mitarbeiter*innen und die Gesellschaft schafft.

Wie viel interne Kommunikation wirklich wert ist, wird in Organisationen seit Jahren diskutiert. Nun liefert das Internal Communication Research Hub (ICRH) Europe erstmals in dieser Form einen wissenschaftlich fundierten Rahmen, der den Wert interner Kommunikation in drei Dimensionen beschreibt: für Organisationen, für Mitarbeiter*innen und für die Gesellschaft.

Die Studie „Valuing Internal Communication“ wurde vom Internal Communication Research Hub Europe erstellt. Verfasst wurde sie von Kevin Ruck, einem der prägenden europäischen Forscher zur internen Kommunikation und Mitgründer der PR Academy, sowie von Jenni Field, international tätige Beraterin und Autorin im Bereich Leadership und interne Kommunikation.

Das PACEC-Framework: Fünf Dimensionen organisationalen Werts

Die Autoren Kevin Ruck und Jenni Field entwickelten aus ihrer Analyse das PACEC-Framework – ein Modell, das zeigt, wie interne Kommunikation Wert für Organisationen schafft:

Performance (Leistung)
Europäische Studien weisen darauf hin, dass interne Kommunikation in direktem Zusammenhang mit messbaren Geschäftsergebnissen steht – von Produktivität über Servicequalität bis zu Innovation. Organisationen mit exzellenter interner Kommunikation verzeichnen in diesen Studien bis zu 58 % schnelleres Umsatzwachstum und sind bis zu 72 % profitabler als Unternehmen mit schlechter Kommunikation.

Grafik SCM
Grafik: SCM

Alignment (Ausrichtung)
Branchenreports aus Europa zeigen: 86 % der Praktiker*innen nennen strategische Ausrichtung als Hauptzweck interner Kommunikation. Mitarbeitende, die klar über Ziele und Prioritäten informiert sind, erreichen in entsprechenden Studien ein durchschnittliches Engagement von 79 % – gegenüber 25 % bei unklarer Informationslage.

Culture (Kultur)
IK-Manager*innen wirken durch ihre symbolische Kommunikationsarbeit aktiv an Kultur mit. Die Studie zeigt: Sowohl kognitive Kultur (wie Mitarbeitende denken und handeln) als auch emotionale Kultur (wie Mitarbeiter*innen fühlen) wird durch Kommunikation geprägt.

Engagement (Bindung)
Forschungsarbeiten aus Europa zeigen eine klare Korrelation: Je besser Mitarbeiter*innen interne Kommunikation bewerten, desto höher ihr Engagement. Der Sprung von „gut“ zu „exzellent“ kann in Studien einen fast 40-Punkte-Anstieg im Engagement-Index bedeuten.

Change (Veränderung)
Europäische Change-Studien weisen darauf hin, dass Verhaltensänderung der wichtigste Erfolgsindikator interner Kommunikation ist. Exzellente Change-Kommunikation kann zu 93 % Positivität gegenüber Veränderungen führen – entscheidend sind Klarheit, Ehrlichkeit und Zuhören.

Was Mitarbeiter*innen wirklich brauchen

Aus Mitarbeitendensicht identifiziert die Studie drei zentrale Dimensionen:

Zugehörigkeit
Das Gefühl, Teil der Organisation zu sein, stärkt Wohlbefinden und Performance. Internationale Trendstudien – darunter Deloitte – zeigen seit Jahren einen besonders hohen Konsens über die Bedeutung von Zugehörigkeit.

Identifikation
Wenn Mitarbeiter*innen sich mit Purpose und Werten identifizieren und sich wertgeschätzt fühlen, entsteht echte Bindung. Besonders Gen Z fordert Arbeitsumfelder, die zu ihren Werten passen.

Wohlbefinden
Ein positives Kommunikationsklima reduziert in europäischen Studien messbar Stress und Burnout-Risiken und stärkt psychisches, soziales und physisches Wohlbefinden.

Der unterschätzte gesellschaftliche Wert

Die Studie erweitert den Blick über Organisationen hinaus. Gute interne Kommunikation stärkt wirtschaftliche Stabilität, schafft Arbeitsplätze und erhöht Steuereinnahmen. Forschung zeigt zudem: Positive interne Kommunikation – insbesondere informelle Kommunikation – korreliert stark mit Lebenszufriedenheit. Gute Arbeitserfahrungen wirken in Familien und Gemeinschaften hinein.

Die Kosten schlechter Kommunikation

Europäische und internationale Untersuchungen beziffern die Folgen schlechter interner Kommunikation deutlich:

– Bis zu 26.041 USD Produktivitätsverlust pro Mitarbeiter*in und Jahr
– Bis zu 7,47 Stunden pro Woche gehen durch Kommunikationsprobleme verloren
– 44 % der Projekte verzögern sich oder scheitern durch Fehlkommunikation
– 31 % verpasste Ziele, 25 % verlorene Verkäufe

    Praxisempfehlungen: Internal Communication Value Ladder

    Die Autor*innen beschreiben eine „Internal Communication Value Ladder“ – ein Modell, das zeigt, wie strategischer Wert in interner Kommunikation entsteht.

    1. Fundament schaffen
    Strategische Planung statt Ad-hoc-Kommunikation: Situationsanalyse, Outcome-Ziele und klare Narrative.

    2. Dual-Fokus etablieren
    Informationsaustausch und systematisches Zuhören gehören zusammen.

    3. Dialogisches Klima entwickeln
    Engagement, Vertrauen und Alignment entstehen nur durch echte Wechselwirkung.

    4. Outcomes statt Outputs messen
    Nicht nur Klicks zählen – sondern Einstellungs- und Verhaltensänderungen.

    5. Impact nachweisen
    Zusammenhänge zu Performance, Kultur und Change sichtbar machen.

    Was das für die Praxis bedeutet

    Für IK-Praktiker*innen

    • Fokus von Output auf Outcome verschieben
    • Leadership Communication priorisieren
    • Systematisches Listening etablieren
    • Früh in Change-Prozesse integrieren

    Für Führungskräfte

    • Faustregel: 1 IK-Verantwortlicher pro 1.000 Mitarbeiter*innen
    • Strategische Infos müssen vom CEO kommen
    • Ehrlichkeit schlägt Hochglanz
    • Employee Advocacy entsteht durch echte Beteiligung

    Für die IK-Branche allgemein

    • ESG- und CSR-Kommunikation intern verankern
    • Employee Experience ganzheitlich denken
    • Informelle Kommunikation als Wert erkennen

    Das Gespräch geht weiter

    Diese Studie ist erst der Anfang. Das ICRH Europe plant weitere Forschung mit Praktiker*innen, Führungskräften und Mitarbeitenden. Die zentrale Botschaft ist jedoch bereits klar: Interne Kommunikation ist kein Nebenschauplatz – sie ist ein strategischer Werttreiber.

    Die Verbindung von Theorie und Praxis zeigt sich auch auf der INSP!RE am 15. und 16. April in Wien. Prof. Dr. Sabine Einwiller (Universität Wien), Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des ICRH Europe, spricht dort über „Psychologische Sicherheit im Change“ – ein Thema, das eng mit Vertrauen, Zuhören und Kommunikationsklima verknüpft ist, die auch in der Studie betont werden.

    Über die Studie

    Titel: Valuing Internal Communication
    Autor*innen: Kevin Ruck & Jenni Field
    Herausgeber: ICRH Europe
    Erscheinungsdatum: Oktober 2025
    Basis: Analyse von 60 europäischen Forschungsarbeiten

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