40 Prozent der Kündigungsgespräche enden nach fünf Minuten

In wirtschaftlich angespannten Zeiten rücken Entlassungen wieder stärker in den Fokus. Der aktuelle Kündigungsreport von HR WORKS zeigt, wie kurz und formal viele Trennungen erlebt werden und warum interne Kommunikation dabei nicht erst im Kündigungsgespräch beginnen sollte.
Der Arbeitsmarkt kommt nicht richtig in Bewegung. Die Bundesagentur für Arbeit spricht von einem verhaltenen Ausklang der Frühjahrsbelebung, das ifo Institut berichtet von mehr Unternehmen, die Stellenabbau planen, und auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sieht den Arbeitskräftebedarf weiter auf niedrigem Niveau. Was in solchen Meldungen nüchtern klingt, wird in Unternehmen sehr konkret: Budgets werden geprüft, Teams neu aufgestellt, Stellen nicht nachbesetzt oder gestrichen.
Damit gewinnt ein Thema an Bedeutung, das häufig erst dann Aufmerksamkeit bekommt, wenn es bereits akut ist: Wie kommunizieren Unternehmen, wenn Menschen gehen müssen.
Der aktuelle Kündigungsreport 2026 von HR WORKS legt nahe, dass genau hier viele Unternehmen Nachholbedarf haben. Im Mittelpunkt steht, wie Beschäftigte Entlassungen erleben, wie Unternehmen im Trennungsprozess kommunizieren und welche Folgen dies für die Betroffenen hat.
Ein zentrales Ergebnis: Viele Kündigungsgespräche sind kurz, formal und wenig dialogisch. Bei 40 Prozent der Befragten ist das Gespräch nach fünf Minuten beendet, bei 63 Prozent nach spätestens zehn. 53 Prozent beschreiben den Ablauf als rein formal. Nur 34 Prozent konnten ihre eigene Sicht schildern. Nicht einmal die Hälfte fühlte sich respektvoll behandelt.
Für Unternehmen ist eine Kündigung oft ein Prozess, der rechtlich sauber, organisatorisch geordnet und möglichst effizient ablaufen soll. Für die betroffenen Menschen ist sie jedoch ein tiefer Einschnitt. Genau darin liegt das kommunikative Risiko. Wer nur informiert, aber nicht erklärt, wer keinen Raum für Fragen lässt und wer Gespräche zu schnell beendet, sendet auch eine Botschaft an diejenigen, die bleiben.
Denn Trennungen wirken nicht nur auf die direkt Betroffenen. Sie prägen auch, wie verbleibende Mitarbeitende Führung, Fairness und Unternehmenskultur wahrnehmen. Wenn Kolleg*innen gehen müssen, schauen Teams sehr genau hin: Wird offen erklärt, warum Entscheidungen getroffen wurden? Werden Menschen respektvoll behandelt? Gibt es Orientierung für die nächsten Schritte? Oder bleibt vor allem Unsicherheit zurück?
Gerade deshalb sind Kündigungen kein reines HR-Thema. Sie sind ein Moment, in dem Glaubwürdigkeit sichtbar wird. Das zeigt auch das Edelman Trust Barometer 2026: Mit 74 Prozent Vertrauen unter Beschäftigten ist der eigene Arbeitgeber die einzige Institution in Deutschland, die eine klare Vertrauensmehrheit erreicht. Das ist eine starke Ausgangslage, aber keine selbstverständliche. Wer sie durch schlechte Trennungskommunikation beschädigt, verspielt etwas, das schwer zurückzugewinnen ist.
Der HR-WORKS-Report zeigt zudem, dass fehlende Erklärungen nachwirken können. Jeder siebte Befragte erhielt laut Studie keine Begründung für die Entlassung. Auch die Art der Übermittlung spielt eine Rolle: Wer schriftlich von der Entlassung erfuhr, berichtet deutlich häufiger von emotionalen Nachwirkungen als Personen, die persönlich informiert wurden.
Für die interne Kommunikation heißt das: Trennungskommunikation sollte nicht erst im Kündigungsgespräch beginnen. Entscheidend sind frühzeitige Orientierung, nachvollziehbare Begründungen, gut vorbereitete Führungskräfte und ein Umgang, der Betroffene nicht nur als Teil eines Prozesses betrachtet. Dazu gehört auch, die verbleibenden Teams nicht allein mit Unsicherheit, Gerüchten oder offenen Fragen zurückzulassen.
Wie Unternehmen sich trennen, bleibt in Erinnerung. Es wirkt nach innen, auf Vertrauen und Zusammenarbeit, und nach außen, etwa über persönliche Netzwerke, Bewertungsportale oder die Arbeitgebermarke. Gerade in angespannten Zeiten ist gute Trennungskommunikation deshalb mehr als ein fairer Abschluss. Sie ist ein Prüfstein für die Kommunikationskultur eines Unternehmens.
Zur Studie
Der Kündigungsreport 2026 wurde von HR WORKS, einem Anbieter von HR-Software, im April 2026 als standardisierte Online-Befragung durchgeführt. Befragt wurden 6.093 Beschäftigte in Deutschland, darunter 825 Personen, die in den vergangenen fünf Jahren entlassen worden waren.
