Hitzerekorde, Waldbrände in Sachsen, Wasserarmut im Rhein: Die Folgen des Klimawandels sind offenkundig und direkt erfahrbar. Die Frage, wie sich der Klimawandel durch nachhaltiges Handeln in seiner Dynamik bremsen lässt, bewegt die Menschen – und fordert Unternehmen. Denn: Diese schweben nicht (mehr) losgelöst in einem fernen Ökonomie-Kosmos, sondern sind heute mehr denn je auch zentrale Akteure im real existierenden öffentlichen Ökologie-Diskurs. Und dort ist es ihre Verantwortung und ihre Aufgabe zugleich, eine Haltung zu haben und zu zeigen. Mehr noch: Haltung und Nachhaltigkeitsverständnis sollten integrale Bestandteile der Unternehmensphilosophie und des unternehmerischen Handelns sein.

Das Nachhaltigkeitsengagement von Unternehmen sollte selbstredend intrinsisch und wahrhaftig sein, um zu bestehen. Der Unternehmenskommunikation kommt hier eine besondere Rolle zu. Sie hat die Aufgabe, Haltung, Verständnis und Handeln eines Unternehmens in puncto Nachhaltigkeit extern in der Öffentlichkeit und intern bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern systematisch darzulegen, zu erörtern und zu verfestigen. Zudem haben Studien gezeigt, dass Unternehmenskommunikation interner Katalysator sein und dafür sorgen kann, dass Nachhaltigkeitsstrategien im Unternehmen stetig fortentwickelt werden, der damit einhergehende Change-Prozess nicht ins Stocken gerät und Nachhaltigkeitsthemen weit oben auf der Agenda bleiben.

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Es hat sich gezeigt, dass die Mehrzahl nachhaltig agierender Unternehmen das Thema aktuell vor allem in der externen Kommunikation angehen. In der internen Unternehmenskommunikation wird es vielerorts sekundär behandelt. Ein Fehler. Denn zum einen zählen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu den wichtigsten Influencern und Multiplikatoren in der Öffentlichkeit. Das Bild, das sie von ihrem Arbeitgeber und seiner Nachhaltigkeitsstrategie öffentlich zeichnen, kann entscheidender sein als jede „grüne“ Marketingkampagne.

Zum anderen kann die interne Unternehmenskommunikation dafür sorgen, dass die Sensibilität bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fortbesteht, selbst nachhaltig zu handeln. Denn auch wenn den meisten heute durch den medialen Diskurs und eigenes Umwelterleben rational klar ist, dass sie umweltbewusst und ressourcenschonend handeln sollten – eine Garantie, dass dies auch gelebt wird, gibt es nicht. Trennen wir immer unseren Müll? Läuft die Klimaanlage nur so lang wie nötig? Schalten wir stets den Computerbildschirm aus? Eben.

Hier setzt interne Nachhaltigkeitskommunikation an. Nicht top down mit erhobenem Zeigefinger – sondern faktenbasiert, glaubwürdig, offen, diskussionsfreudig und ausdauernd.

Be precise! Einer der wichtigsten Bausteine und Basis gelingender Nachhaltigkeitskommunikation ist ein umfassender Nachhaltigkeitsbericht. Was wird im Unternehmen bereits umgesetzt? Jobrad statt Dienstwagen, systematischer Energieaudit, Gebäudesanierung, Unterstützung von Klimaschutzprojekten, Wärme durch Geothermie, Strom aus Solarkraft oder spezielle Green Consultants? Im Nachhaltigkeitsbericht werden alle Maßnahmen aufgelistet und ein Ausblick gegeben. Der Bericht wird an zentralen, leicht auffindbaren Stellen – zum Beispiel im Intranet und auf der Unternehmenswebsite – zugänglich gemacht.

Be authentic! Was nur blumig und plakativ im PR-Sprech beschrieben wird, aber kein Fact-Checking übersteht, darf kein Bestandteil von Nachhaltigkeitskommunikation sein. Externe Agenturen, die zum Beispiel CO2-Emissionen von Unternehmen berechnen und aufzeigen, wie sich diese senken oder kompensieren lassen, oder bestimmte Nachhaltigkeitsmaßnahmen unabhängig zertifizieren, können wichtige Partner der Nachhaltigkeitskommunikation sein. Authentizität und Wahrhaftigkeit sind Trumpf, um glaubwürdig zu sein und zu bleiben.

Be honest! Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schätzen Transparenz. Wer sagt, was besser laufen kann, wo noch Herausforderungen beim Thema Nachhaltigkeit im Unternehmen liegen, der gewinnt Vertrauen – die Basis jedweder Kommunikation.

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Be open! Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten Feedback geben können und dürfen Antworten erwarten. Wer einen interaktiven Informationsaustausch und Wissenstransfer etwa in einem Social Intranet bietet und fördert, direkte Kontakte zu Green Consultants im Unternehmen herstellen kann oder Aktionstage veranstaltet, hat eine gute Chance, Nachhaltigkeit in den Köpfen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fest zu verankern. Aber nicht nur dort: Denn Nachhaltigkeit kann ein emotionales Thema sein. Und über Wege zu mehr Nachhaltigkeit darf intern leidenschaftlich debattiert werden. Interne Nachhaltigkeitskommunikation darf deshalb selbst bis zu einem gewissen Grad auch emotional sein.

Be patient! Es ist die Aufgabe der internen Unternehmenskommunikation, das Thema in Abstimmung mit der Geschäftsführung langfristig und strategisch anzugehen, um es präsent zu halten. Wer regelmäßig und wiederholt in der Mitarbeiterzeitung und im Intranet über Aktivitäten, Strategien und Maßnahmen berichtet, der festigt das Wissen über das Engagement des Unternehmens – und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst aktiv werden und das Gehörte und Gelesene für sich und ihren Alltag adaptieren.

Nachhaltiges unternehmerisches Handeln und professionelle Nachhaltigkeitskommunikation können nicht im Hundermetersprint mit festem Start und Ziel absolviert werden. Eher gleichen sie  einem Hürdenlauf. Unterwegs können die Hürden unterschiedlich hoch sein, auch die Ziele können sich ändern. Gefragt sind daher eine hohe Anpassungsfähigkeit und Ausdauer. Nicht mehr zur Debatte steht allerdings: Bewegung.

 

Autor

Dr. Sebastian Feuß ist seit 2015 Unternehmenssprecher der Bavaria Film Gruppe und leitet dort den Bereich Kommunikation. Zuvor war er Redakteur mit den Schwerpunkten Fernsehen und Bewegtbildproduktion beim Branchenmagazin „Werben & Verkaufen“ im Süddeutschen Verlag. Der studierte Diplom-Journalist Feuß promovierte am Institut für Praktische Journalismusforschung an der Universität Leipzig. Zugleich arbeitete er als Redakteur bei der Internationalen Journalismus-Fachzeitschrift „Message“.

 

Am Hauptsitz der Bavaria Film im Süden Münchens sind die CO2-Emmissionen seit 2011 um 98,5 Prozent gesenkt worden. Die unvermeidbaren 1,5 Prozentpunkte werden durch Investitionen in Waldschutzprojekte ausgeglichen. Durch eine vollständig klimaneutrale Energieversorgung bieten die Bavaria Studios seit 2013 ideale Voraussetzungen für grünes Produzieren. Weiterhin hat sich die Bavaria Film Gruppe zur Implementierung von Nachhaltigkeitskriterien in der Produktion verpflichtet. Seit Beginn dieses Jahres werden sukzessive alle neuen Projekte nach den ökologischen Vorgaben des bundesweiten Arbeitskreises „Green Shooting“ hergestellt. So soll der Energie- und Ressourcenverbrauch auf ein Minimum beschränkt werden. Der Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmensgruppe ist hier abrufbar: https://www.bavaria-film.de/oekologische-nachhaltigkeit

 

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