In einem aktuellen Gastbeitrag erklärt Diana Neumüller-Klein, Head of Corporate Communications & Investor Relations bei STRABAG, wie das international tätige Bauunternehmen seine interne Kommunikation gestaltet.

STRABAG beschäftigt international rund 75.000 Mitarbeiter*innen aus 135 verschiedenen Nationen – und das in einer Vielzahl unterschiedlicher Berufssparten. Die interne Kommunikation bei STRABAG muss also sehr breit aufgestellt sein und neben dem klassischen Baustellenpersonal auch Personen in kaufmännischen Berufen erreichen. Anders gesagt: Wir müssen die Kolleg*innen im Kran ebenso zielgruppengerecht erreichen wie jene in der Buchhaltung.

Interne Medien: gefragt ist eine große Bandbreite

Dieser Herausforderung begegnen wir im Konzern mit einer Bandbreite klassischer und digitaler Medien. So setzen wir einerseits auf unsere Mitarbeiterzeitung („teams.“), die zweimal im Jahr in acht Sprachen erscheint und in den Kernländern des Konzerns an die Privatadressen der Mitarbeitenden versandt wird. Dadurch erreichen wir vor allem Mitarbeiter*innen ohne Computerzugang. Hier geben wir auf 48 Seiten mit großem Qualitätsanspruch einen aktuellen Überblick über alle Bereiche des Konzerns. 2014 wurde „teams.“ bei der „Silbernen Feder“, einem österreichischen Preis für Mitarbeiter-Medien, ausgezeichnet.

Für Mitarbeiter*innen mit Zugang zum Firmennetzwerk und PC-Arbeitsplatz gibt es mit dem „Stranet“ seit 2006 ein umfangreiches Intranet. In diesem Kommunikationsmedium finden sich alle Organisationseinheiten wieder. Durch eine dezentrale Verwaltung können Neuigkeiten aus allen Standorten zeitnah veröffentlicht werden. Parallel dazu spielen wir gewerbliche Informationen über eine Mitarbeiter-App. Hier stehen wir aber noch am Anfang der Entwicklung.

Mit internen Social-Media-Komponenten „connect“ (Sharepoint) und „MS Teams“ setzen wir in der täglichen Zusammenarbeit auf digitale kurze Wege und Chat.

Und letztlich hat auch die E-Mail immer noch große Relevanz für die interne Kommunikation bei STRABAG – auch wenn Vorstandsthemen nicht mehr nur im Postfach landen. Wichtige Top down-Informationen werden in der Regel redaktionell aufbereitet und via Stranet und Mitarbeiterzeitschrift kommuniziert.

Interne Kommunikation bei STRABAG: Nähe schaffen, Eigenverantwortung stärken

Wir setzen auf eine dezentrale selbstverantwortliche Kommunikation. In sämtlichen Konzerneinheiten und -ländern gibt es Redakteur*innen, die ohne chefredaktionelle Prüfung im Intranet und den internen sozialen Medien veröffentlichen können. Durch die unmittelbare Nähe kann so direkt und schnell über neue Projekte, Events und Entwicklungen berichtet werden. 

Es gibt jedoch eine zentrale Intranet-Startseite, die von der Konzernkommunikation redaktionell betreut und geplant wird. Hier werden wichtige strategische Konzernthemen, Projekterfolge und Mitarbeitergeschichten aus den verschiedenen Ländern so aufbereitet, dass sie dezentral übersetzt und auf den Social-Media-Kanälen verwendet werden können. Durch diese professionelle Aufbereitung sorgen wir dafür, dass Wissen auch für Nicht-Spezialist*innen des jeweils behandelten Themas nachvollziehbar und ansprechend verbreitet wird.

Als positiver Nebeneffekt dieses Ansatzes melden sich Mitarbeiter*innen aktiv bei der Konzernkommunikation und wollen, unterstützt von professioneller Redaktion, auf der Intranet-Seite gefeatured werden. So ist ein aktiver Informationsfluss entstanden, von dem alle Beteiligten profitieren.

Keine Angst vor dem Diskurs: Offenheit schafft Vertrauen und Relevanz

Bei den internen Artikeln selbst gibt es noch keine direkte Kommentarfunktion. Wir wollen diese aber in Zukunft einführen, da wir uns hier wertvollen direkten Dialog mit den Mitarbeiter*innen erwarten.

Was wir jedoch seit rund einem Jahr sehr erfolgreich im Einsatz haben, ist ein Intranet-Feature („Frag Birtel“), bei dem Mitarbeiter*innen anonymisiert Fragen an STRABAG-CEO Thomas Birtel richten können. Bislang sind auf diese Weise 200 Fragen eingegangen – darunter auch einige kritische.

Interne Kommunikation bei STRABAG – weitere Praxis-Einblicke gibt es auf der Tagung Interne Kommunikation am 18. November in Wien

Thomas Birtel beantwortet diese regelmäßig in seinem Blog und schafft so zusätzlich interessanten Content, der von den Mitarbeiter*innen sehr gut angenommen wird – wohl auch deswegen, weil zu kritischen Fragen sehr offen und klar Stellung bezogen wird.

Im Rahmen von „Frag Birtel“ geht sogar „Fanpost“ ein, in der sich Mitarbeiter*innen dezidiert für dieses Format bedanken. Dem gegenüber ist es so gut wie nie vorgekommen, dass sich Fragesteller*innen bei der Formulierung im Ton vergriffen hätten. Wir denken, dass wir hier einen Kanal für die interne Kommunikation bei STRABAG geschaffen haben, der für einen Konzern dieser Größenordnung nicht alltäglich ist, und sind froh, dass dies auch von unseren Mitarbeiter*innen geschätzt wird.

Aktivierung statt Berieselung: neue Rolle für die interne Kommunikation bei STRABAG

Natürlich dient interne Kommunikation dazu, wichtige Themen zu transportieren und Menschen nicht nur zu informieren, sondern auch zu sensibilisieren. Ein gutes Beispiel dafür ist die Priorität, die STRABAG derzeit auf das Leben der Konzernwerte sowie auf einen bewussten Umgang mit Arbeitssicherheit legt.

Wichtig ist jedoch, dass dies keine Einbahnstraße ist. Wir informieren auf unseren Kanälen nicht nur, sondern regen zu aktiver Teilnahme an, was in der Regel sehr gut funktioniert. Menschen wollen nicht berieselt werden, sondern die Gelegenheit haben, ihre Meinungen, Vorstellungen und Ideen sichtbar zu machen. Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren noch weiter verstärken.

Dabei halten wir uns immer vor Augen: Das Wichtigste an der Kommunikation zwischen Menschen sind die Menschen. Oder anders gesagt: Wenn am anderen Ende des Kommunikationskanals keine Person sitzt, die sich des betreffenden Menschen und der Themen annimmt, wird kein echter Dialog mit Mehrwert für beide Seiten stattfinden. Das ist gerade im digitalen Zeitalter wichtiger denn je.

Gar nicht so einfach: drei zentrale Herausforderungen beim Kulturwandel

Die Technik: Mittlerweile sind in der modernen Kommunikation eine Vielzahl von Herausforderungen miteinander verzahnt. Dabei stehen die Anforderungen an die IT ganz vorne, damit überhaupt etwas passieren kann. Je mehr unterschiedliche Zielgruppen über Kanäle personalisiert erreicht werden sollen, desto komplexer fallen die Lösungen aus.

Diese technische Komponente ist wiederum notwendig, weil für uns als Konzernkommunikation die Mitarbeiter*innen im Fokus stehen. Diese gilt es zu erreichen, ohne sie zu langweilen oder beim Abrufen der Informationen zu überfordern. Neben all dem gilt es dabei auch zeitgemäße Formen der Darstellung zu gewährleisten.

Einbindung der Mitarbeitenden: Wie schon erwähnt, spielt auch eine immer größere Rolle, dass sich möglichst alle einbringen und beteiligen können. Auch das wird nur mit leistungsfähiger Technologie möglich. Hier kommt jedoch eine Herausforderung hinzu, die sich quer durch den Konzern in den Köpfen abspielt: Nicht alle trauen sich mitzumachen, nicht alle schaffen es, frei fließende Kommunikation zu- und loszulassen. Interne Kommunikation bei STRABAG beruht aber nicht nur auf gut recherchierten Berichten oder in Stein gemeißelte – weil „von oben“ freigegebenen – Formulierungen. Natürlich muss eine sinnvolle Strategie vorgegeben sein – die Umsetzung darf und muss jedoch diskutiert und mitgestaltet werden können.

Dazu braucht es eine offene Kommunikationskultur, die aber nicht über Nacht in den Köpfen aller zu verankern ist. Vorgesetzte müssen diese vorleben und unterstützen. Gute Kommunikation erfordert Zeit und Vorreiter*innen. Die Ausrede von Unwissenden, dass sie „keine Zeit dazu haben, ins Intranet zu schauen“ darf nicht mehr gelten.

Führungsverhalten: Vorgesetzte sollten verstanden haben, dass gut informierte Mitarbeiter*innen sich eher wertgeschätzt fühlen und leidenschaftlicher hinter dem Unternehmen stehen, wenn sie die Gelegenheit bekommen, im internen Informationsaustausch eine Rolle zu spielen und gesehen zu werden. So steigt bei den Mitarbeiter*innen auch die Bereitschaft, sich über den „Dienst nach Vorschrift“ hinaus zu engagieren und sich aktiv an der Weiterentwicklung des Konzerns zu beteiligen.  

Diana Neumüller-Klein, CFA, ist Leiterin der Konzernkommunikation des börsennotierten Bauunternehmens STRABAG SE. Als solche verantwortet sie u.a. die Bereiche Public Relations, Investor Relations und Corporate Governance. Neumüller-Klein studierte Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien und spezialisierte sich auf Investmentbanking und Kapitalmarktkommunikation. Sie arbeitete mehrere Jahre als Börsenberichterstatterin der Austria Presse Agentur und sammelte danach Erfahrungen als Analystin für Unternehmensakquisitionen in einer österreichischen Großbank sowie im Bereich Investor Relations, bevor sie 2007 in den STRABAG-Konzern eintrat und den Börsengang begleitete. Neben ihrer Funktion als Vorstandsmitglied des Cercle Investor Relations Austria (CIRA) ist sie Mitglied im Österreichischen Arbeitskreis für Corporate Governance.

 

Artikelbild: STRABAG SE

Interne Kommunikation bei STRABAG

Erhalten Sie weitere Einblicke in die Praxis guter interner Kommunikation auf der Tagung der SCM in Köln oder Wien. Am 18. November in Wien widmen sich Kommunikator*innen verschiedener österreichischer Unternehmen dem Motto „Mut, Haltung und Wertschätzung in der internen Kommunikation“.

Zur Tagung Interne Kommunikation in Wien

Ein Kulturwandel ist kommunikativ nicht immer leicht zu begleiten. Warum die Auseinandersetzung mit den Unternehmenswerten dennoch lohnenswert ist, beschreibt Birgit Ziesche, Leiterin globale interne Kommunikation bei Henkel in einem Gastbeitrag.

Zum Kultur-Beitrag von Birgit Ziesche