Die digitale Zukunft steht inzwischen auch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen ganz oben auf der Agenda. Warum sich Investitionen hier lohnen und welche Rolle der internen Kommunikation dabei zukommt, erklärt Carsten Lucassen in seinem Gastbeitrag „Wandel begleiten – das neue Bild der Internen Kommunikation im Mittelstand“.

Ohne Kommunikation keine digitale Transformation – und umgekehrt. Inzwischen haben nicht nur die Konzerne und die großen Mittelständler den Trend hin zu agilen Strukturen, hin zu mehr Collaboration und – um ein weiteres Buzzword zu nennen – zum Digital Workplace erkannt. Zunehmend beschäftigen sich auch kleinere Unternehmen mit diesen Themen, versuchen den kulturellen und technischen Wandel unserer Zeit mit immer dynamischer reagierenden Märkten in Einklang zu bringen. Mehr als anderswo steht hier die Interne Kommunikation im Fokus – sie ist gleichzeitig Treiber und Chronist der Veränderung, strategischer Partner der Geschäftsleitung und „Anwalt“ der Mitarbeiter*innen.

Auf den Mittelstand in Deutschland entfallen rund 60 Prozent aller Arbeitsplätze und 35 Prozent der Umsätze. Eigene Digitalisierungsstrategien finden sich naturgemäß bei den größeren Unternehmen, und auch die branchenübergreifende Vernetzung – eine lobenswerte Ausnahme ist der jüngst eröffnete „Maschinenraum“ in Berlin (maschinenraum.io) – steht noch am Anfang. Kein Wunder, denn in Zeiten von Corona-Krise und Brexit-Verunsicherung scheuen selbst wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen vor einer Investition in die digitale Zukunft zurück. Und das, obwohl die Erfolgschancen und das Potenzial nirgendwo größer als im Mittelstand sind. Dafür gibt es mindestens fünf gute Gründe:

1. Kurze Wege für die interne Kommunikation im Mittelstand

Konzerne zeichnen sich durch Prozesse und Strukturen aus – ohne Frage wichtige Instrumente, die jedoch einer agilen internen Kommunikation entgegenstehen können. Das monatliche Treffen der Bereichsleiter*innen? Kein Zutritt für die Kolleg*innen der internen Kommunikation. Einführung einer Mitarbeiter-App? Ohne die IT nicht möglich, und die sind gerade mit dem neuen CRM-System beschäftigt. Kleinere Mittelständler haben da einen Vorteil: Die Entscheidungswege sind kürzer, die Hierarchien flacher – und mit dem nötigen Willen zur Veränderung sitzt auch die interne Kommunikation schnell bei wichtigen strategischen Themen mit am Tisch.

2. Interne Kommunikation im Mittelstand ermöglicht eine „Grüne Wiese“

Social Intranet, Workflows, Projektmanagement-Tools und – natürlich – kollaborative Systeme sind in größeren Unternehmen längst Standard. Unterhalb der 5000-Mitarbeitenden-Marke sieht es meist anders aus. Hier funktioniert interne Kommunikation oft noch per E-Mail – was insbesondere bei Betrieben mit einer hohen Bluecollar-Quote zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führt. Die Finanzbuchhalterin liest die neue Personalmeldung in der Frühstückspause, der Staplerfahrer muss auf den Aushang am Schwarzen Brett warten – wenn es denn einen gibt. Chance für die interne Kommunikation: Auf der grünen Wiese neue Informations- und Collaboration-Plattformen „bauen“, die von Anfang an für das Unternehmen und die Kolleg*innen maßgeschneidert sind.

3. Interne Kommunikation im Mittelstand: Kommunikation und Strategie

Wer ist der Treiber der Digitalisierungsstrategie? In kleineren Unternehmen ist das oft die Geschäftsleitung, manchmal die IT – aber eine eigene Strategieabteilung gibt es in den wenigstens Fällen. Und die in diesem Fall oft hinzugezogene Unternehmensberatung hat – siehe Konzern – eher den Businessplan und die Umsatzsteigerung im Blick. Klar, dass ist nicht das Spielfeld der internen Kommunikation. Sie kann aber einen wichtigen Beitrag zur strategischen Neuausrichtung leisten, indem sie einerseits die anstehenden Veränderungsprozesse kommunikativ begleitet und andererseits selbst zum Transformationstreiber wird. Stichworte hier: Transparenz schaffen, Silos einreißen, Erfolge feiern, Miteinander schaffen.

4. Interne Kommunikation im Mittelstand: Kommunikation und HR

Apropos Miteinander schaffen: Ist das nicht eher eine Aufgabe für die Personalabteilung (in kleineren Unternehmen findet man den Begriff HR noch nicht so oft)? Ja und nein – denn selbst Konzerne tun sich mit der Abgrenzung von Interner Kommunikation und HR schwer. Einige sortieren die Mitarbeitenden-Kommunikation gleich in die People-Organisation ein, andere sehen sie als Teil der Öffentlichkeitsarbeit, wieder andere (vor allem die Großen) schaffen eigene HR-Comms-Teams. Kleinere Unternehmen können dieses Thema viel pragmatischer angehen, denn die Schnittstellen zwischen Kommunikation und HR sind hier zunächst auf einer viel operativeren Ebene: Begrüßung neuer Mitarbeiter*innen, Firmenjubiläen, Kantinen-Speiseplan. Klingt im ersten Moment trivial, schafft aber vom Start weg einen großen Mehrwert für alle Beteiligten. Vor allem für die Mitarbeiter*innen.

5. Interne Kommunikation im Mittelstand: Vertrauen

Der wichtigste Punkt zum Schluss. Ohne Vertrauen und Transparenz gibt es keinen Erfolg – das gilt für den kleinen Handwerksbetrieb genauso wie für den Global Player. Allerdings tun sich größere Unternehmen naturgemäß etwas schwerer, Strukturen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aufzubauen. Berichtslinien, zeitliche oder räumliche Verfügbarkeiten und eine hohe organisatorische Komplexität erschweren es der internen Kommunikation, eigene Akzente zu setzen und damit die eigene Vertrauensstellung auszubauen. Kleinere Unternehmen haben es da einfacher: Sie sind häufig in Familienbesitz, und mindestens genauso häufig ist die Kommunikation „Chefsache“. Das heißt: Nirgendwo ist der Hebel für Kommunikator*innen größer, den digitalen Wandel zu begleiten. Wenn denn die Chemie zwischen den Beteiligten stimmt…

Carsten Lucassen ist gelernter Journalist und hat sich als Unternehmenskommunikator auf digitale Transformation, agile Arbeitsweisen sowie kollaborative Plattformen spezialisiert. Für den Heiztechnik-Hersteller Viessmann hat er den Bereich „Digital Communications“ aufgebaut. Seit 2020 ist er Head of Communications der RKW Group.

 

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