Jörg Riedle, Leiter Interne Kommunikation und Publikationen von TÜV SÜD, gibt Tipps für erfolgreiche interne Medien und plädiert für Inhalte, die zu Zielgruppen und Unternehmenswerten passen.

Heute braucht interne Kommunikation verschiedene Kanäle, um den diversen Kommunikationsgewohnheiten der Standorte, Abteilungen, Generationen etc. im Unternehmen Rechnung zu tragen. Wie sollten Kommunikator*innen interne Medien orchestrieren, damit ihre Bezugsgruppen nicht den Überblick verlieren?

Es muss ein Kernanliegen der internen Kommunikation sein, ihre Inhalte gleichzeitig auf allen geeigneten Kanälen zu spielen – und für die Mitarbeiter*innen trotzdem eine Art Leitplanke zur Verfügung zu stellen, damit sie nicht von einem Informations-Overflow erschlagen werden. Ich kann nur dazu raten, vor der strategischen Neuaufstellung der internen Kommunikationskanäle die Bedürfnisse im Unternehmen genau zu analysieren. Denn jedes Unternehmen tickt anders und eine Standardlösung, die für alle geeignet wäre, gibt es nicht. Und auch nicht alles, was technisch möglich ist, ist immer auch sinnvoll.
Wir bei TÜV SÜD haben vor dem Neustart unserer internen Medien 2018 ausführlich die Nutzung unserer bestehenden Kanäle untersucht, Veränderungen im Nutzungsverhalten betrachtet, neue interne Medien teilweise getestet und schließlich mit einer globalen Mitarbeiterbefragung in acht Sprachen auch unsere „Kund*innen“ mit einbezogen. Eine zentrale Erkenntnis dieser Analysen: Unsere Leser*innen wünschen sich mehr Klarheit bezüglich der verwendeten Kanäle. Das Resultat: In einem internetbasierten, frei zugänglichen Ankermedium – unserem zentralen Onlinemagazin – finden unsere Mitarbeiter*innen alles Relevante. Wer nur dieses Magazin kennt, ist bereits umfassend informiert. Diese Online-Plattform wird durch „Spezialkanäle“ ergänzt – etwa ein gedrucktes Magazin, E-Mail-Newsletter, interne Apps, Veranstaltungen, Standort-Intranets und Diskussionsforen. Diese Spezialkanäle bieten unseren Leser*innen jede Menge Zusatznutzen und sind teilweise regional oder fachspezifisch organisiert, gruppieren sich aber immer klar um das Ankermedium. So schaffen wir die gewünschte Klarheit und geben den Mitarbeiter*innen ein priorisiertes Medium an die Hand – für Menschen, die wenig Zeit haben und nur Basisinfos benötigen genauso wie für solche, die sich tiefergehend informieren wollen.

Können Kommunikator*innen über genutzte interne Medien Vertrauen schaffen – oder ist Vertrauen etwas, das auf inhaltlicher Ebene entsteht?

Kanäle sind im Kern nur die Hüllen, in denen Inhalte gespielt werden. Je professioneller und je stärker an der Zielgruppe orientiert diese sind, umso erfolgreicher werden wir als Kommunikator*innen den Content an den Mann oder die Frau bringen. Aber das beste Medium nützt nichts, wenn die Inhalte nicht zur Zielgruppe passen. Vertrauen entsteht auf inhaltlicher Ebene – durch faire, wahrheitsgemäße und angemessene Berichterstattung, die sich an guter journalistischer Praxis orientiert. Kreativität und Mut sind gefragt, denn auch in der Unternehmenskommunikation ist oft viel mehr möglich, als manche meinen.

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Was kann man tun, damit die Unternehmenswerte gerade bei international aufgestellten Organisationen nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner hinauslaufen? Oder provokativ gefragt: Reicht der kleinste gemeinsame Nenner vielleicht aus?

Zentrale Unternehmenswerte sollten nie verhandelbar sein. Wenn es – wie im Fall von TÜV SÜD – um Grundprinzipien unserer Arbeit wie Neutralität, Objektivität und hohe technische Expertise geht, dann muss dies von Corporate-Seite klar vertreten werden. Der kleinste gemeinsame Nenner reicht hier nicht aus und es muss auch hier deutliche Leitlinien geben, die nicht unterschritten werden dürfen. Das schließt nicht aus, diese Werte in einem kulturell angepassten Narrativ zu vermitteln – sofern der Kern der Unternehmenswerte stets erhalten bleibt.

Woraus speisen sich die Unternehmenswerte und welche Rolle spielen dabei die Mitarbeiter*innen? Waren die Werte zuerst da oder konstituieren sich diese ausgehend von den Menschen im Unternehmen?

Im Normalfall sollte beides eine Einheit bilden. Für ein Unternehmen wie TÜV SÜD mit seiner langen Geschichte ist die Antwort klar: Unsere zentralen Werte bestehen seit mehr als 150 Jahren, und unsere Mitarbeiter*innen leben diese Werte in ihrer täglichen Arbeit. Aber natürlich wird es immer auch neue, zusätzliche Ansprüche geben, etwa im Rahmen der Unternehmensstrategie. Diese mit den Mitarbeiter*innen zu diskutieren und mit Leben zu füllen, ist eine zentrale Aufgabe der internen Kommunikation. 

Jörg Riedle ist Leiter Corporate Publishing bei TÜV SÜD, einem der größten Prüfdienstleister der Welt. Als Head of Internal Communications verantwortet er außerdem die globale Mitarbeiterkommunikation des Unternehmens mit Niederlassungen in rund 50 Ländern. Er freut sich jederzeit über Feedbacks, Denkanstöße und Reaktionen an joerg.riedle@tuev-sued.de.

 

Artikelbild: Unsplash

interne Medien

Jörg Riedle hat am 16. Mai auf der 23. Tagung Interne Kommunikation Einblicke in die interne Kommunikation des TÜV SÜD gegeben. Seien Sie beim nächsten Mal selbst dabei und lassen sich inspirieren.

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