KI produziert mehr. Ihre Belegschaft liest weniger.

Mitarbeiterin am PC mit vielen Nachrichten
Grafik: mit KI erstellt

50 bis 70 Prozent aller internen Nachrichten sind laut Schätzungen Nice-to-know. Ein Content-Fatigue-Check zeigt, was das kostet – und was wegkann.

Seit Anfang 2026 ist eines in vielen IK-Teams spürbar: KI-Tools sind angekommen, die Prozesse laufen – und trotzdem hat sich das Grundproblem nicht gelöst. Öffnungsraten stagnieren, Mitarbeitende sagen „Hab ich nicht gesehen“, obwohl die Nachricht auf drei Kanälen lief. Das liegt nicht an der Technik. Es liegt am Volumen.

Was Branchenbeobachter wie PoliteMail in ihrem Halbjahresreview 2026 bestätigen, deckt sich mit dem, was viele IK-Profis längst ahnen: „Faster drafting on top of a fragmented system produces more content, not better communication.“ (Staffbase, Juni 2026)

Und Grammarly hat das schon 2022 in Geld ausgedrückt: Teams verlieren rund 7,5 Stunden pro Woche durch ineffektive Kommunikation. Etwa 12.500 Dollar pro Mitarbeiter im Jahr. Kommunikationsvolumen steigt, Effektivität sinkt.

Das Paradox ist strukturell: Wer KI einsetzt, um schneller zu formulieren, erzeugt mehr Nachrichten. Mehr Nachrichten bedeuten weniger Aufmerksamkeit pro Nachricht. Weniger Aufmerksamkeit bedeutet, dass auch die wichtigen Meldungen nicht mehr ankommen. Am Ende hat die Belegschaft das Gefühl, zu viel zu lesen und trotzdem nichts zu wissen.

Was dagegen hilft, hat Carsten Rossi, Geschäftsführer von Kammann Rossi, in einem praktischen Framework zusammengefasst: das Content-Fatigue-Check. Vier Schritte, die IK-Teams dabei helfen, das Volumen zu reduzieren – bevor KI es wieder erhöht.


Bevor Sie das nächste Mal KI zur Hand nehmen: Zählen Sie erstmal.

Wie viele interne Nachrichten, Posts, Mails und Push-Benachrichtigungen gehen pro Woche an Ihre Belegschaft – von allen Absendern zusammen? Die meisten IK-Teams kennen ihre eigene Sendefrequenz. Die Gesamtfrequenz, die bei den Mitarbeitenden landet, kennen die wenigsten. Das ist der erste Schritt des Checks – und der unbequemste, weil er sichtbar macht, was man lieber nicht wissen wollte.

Schritt 2: Kategorisieren. Jede Nachricht bekommt eine Kategorie:

  • (A) Handlung erforderlich
  • (B) Wissen notwendig
  • (C) Nice to know

->Erfahrungsgemäß landen 50 bis 70 Prozent aller internen Nachrichten in Kategorie C.

Schritt 3: Streichen. Kategorie C wird nicht gesendet. Sie wird archiviert – zugänglich für alle, die suchen, aber nicht gepusht an alle, die nicht gefragt haben. Das ist keine Zensur. Es ist Respekt vor der Aufmerksamkeit der Belegschaft.

Schritt 4: Messen. Öffnungsraten und Engagement nach dem Check vergleichen. Sie steigen in der Regel – nicht weil der verbleibende Content besser ist, sondern weil er sichtbar wird.

Regel dahinter: Der gefährlichste Satz in der internen Kommunikation ist „Das müssen alle wissen.” Meistens stimmt er nicht. Und wenn er für alles gilt, gilt er für nichts.


Quellen: – Carsten Rossi / Kammann Rossi & Sophia Ginter, SCM · 2026 Content-Fatigue-Check für interne Kanäle
– PoliteMail · Juli 2026 Internal Communications in 2026: A Mid-Year Review
– Staffbase · Juni 2026 AI Tools for Internal Comms: What Actually Works
– Grammarly / Harris Poll · 2022 (bestätigt 2023 und 2025) The State of Business Communication: The Backbone of Business Is Broken

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