Sarah Mielke: »IK wird dann Mitgestalterin, wenn klar wird, welchen strategischen und operativen Mehrwert sie liefert.«

Sarah Mielke am Mikro
Bild: Rasele Photography

Ein Gespräch mit der Internen Kommunikatorin des Jahres powered by Staffbase.

Sarah Mielke hat laut Jury in kurzer Zeit die interne Kommunikation bei Henkel mit klaren Konzepten, kreativen Impulsen und messbarer Wirkung entscheidend weiterentwickelt. Mit Projekten wie dem Content Booster oder der IC-Landscape verbindet sie strategisches Denken mit Kreativität, Teamgeist und Empathie. Besonders beeindruckend ist ihr Engagement für die Förderung junger Kolleg*innen, das sie mit Klarheit und großer Wertschätzung gestaltet. Damit prägt sie nicht nur die Kommunikationsagenda, sondern auch die Kultur im Unternehmen. Sarah Mielke steht beispielhaft für eine Kommunikatorin, die Zukunft gestaltet – und dabei Menschen wirklich mitnimmt.

Sarah, in Berlin ist etwas passiert, das man nicht planen kann: Ein Moment echter Anerkennung für das, was man im Unternehmen bewegt. Wenn Du heute darauf schaust – was war für Dich der Kern Deiner Arbeit, der zu dieser Auszeichnung geführt hat? Und gibt es etwas, das Dir erst im Rückblick klar geworden ist?
In Berlin war deutlich spürbar, wie viele (interne) Kommunikator*innen mich täglich inspirieren. Eigentlich hätte jede*r von ihnen einen Award verdient. Genau deswegen war dieser Moment auf der Bühne etwas ganz Besonderes. Warm, wertschätzend und einfach schön. Dass ich von meinen Kolleginnen und meiner Vorgesetzten nominiert worden bin, bedeutet mir unglaublich viel. Ich bin fest davon überzeugt, dass nachhaltige kommunikative Wirkung nur gemeinsam entsteht. Konzepte wie Personas, unsere Channel Landscape, der Content Booster oder die Daten und Analysen helfen dabei, strukturiert zu denken und auch zu arbeiten. Aber so richtig funktioniert es eben nur, wenn die Teams das auch anwenden, sich dazu austauschen und sich gegenseitig vertrauen. Erst dann kann aus einem guten Konzept echte Veränderung werden.

Wir wissen beide: Die Zukunft der IK entsteht weniger durch Tools als durch Haltung. Wenn Du fünf Jahre nach vorn schaust – welche Themen, Brüche oder Spannungsfelder werden die interne Kommunikation prägen? Und wo sagst Du: »Da müssen wir als Branche mutiger werden«?
Für die nächsten Jahre wird das Zusammenspiel von menschlicher und künstlicher Intelligenz eine zentrale Rolle spielen. KI schafft Freiräume, doch Haltung, Einordnung und Empathie bleiben klar menschlich.
Parallel dazu wird Kommunikation viel spezifischer werden müssen. »One Message fits all« funktioniert nicht mehr. Personas helfen dabei, Botschaften relevanter und zielgerichteter zu gestalten und auch auszuspielen.
Wichtig wird außerdem Mut und Erklärung, um ein besseres gemeinsames Verständnis für Themen zu schaffen. Mut, auch schwierige und komplexe Themen offen anzusprechen, und Erklärung, damit Kolleg*innen verstehen, warum Entscheidungen so getroffen werden, wie sie getroffen werden. Und diese besser nachvollziehen können. In diesem Gesamtbild entwickelt sich die interne Kommunikation immer stärker zu einer Beratungsfunktion, die früh im Prozess involviert ist, strategisch denkt und als Sparringspartner unterstützt.

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Sarah Mielke (mi) mit ihren Kolleginnen Birgit Ziesche (li) und Monika Bruser (re) nach der INKOMETA-Preisverleihung / Bild: Rasele Photography

Du bringst in Deinem Unternehmen Menschen ins Gespräch, auch wenn die Themen schwierig sind. Du gibst Orientierung in Situationen, die noch nicht fertig entschieden sind. Gleichzeitig hat jeder Kommunikator*in persönliche Belastungspunkte. Wo fordern Dich Wandel, Geschwindigkeit und Erwartungen am meisten heraus? Und was davon stärkt Dich – und was macht Dich vielleicht auch verletzlicher?
Eine der großen Herausforderungen ist die hohe Dynamik im Job, die auf unterschiedliche Generationen und Arbeitsstile trifft. Da braucht es Orientierung und gleichzeitig Flexibilität. Und Freiraum zu lernen – voneinander und auch miteinander.
Für mich besonders wichtig: eine offene Fehlerkultur. Wir müssen diesem künstlichen Perfektionismus entkommen, der uns oft hemmt. Ein Zitat von Antoni Gaudí begleitet mich dabei: Originality consists of returning to the origin. Für mich bedeutet das, mutig zu sein, Unfertiges anzusprechen und Fehler als Teil des Prozesses zu akzeptieren. Genau diese Offenheit macht Teams stärker und Kommunikation glaubwürdiger.

Viele Unternehmen sprechen über Strategie, handeln aber operativ. Oft wird IK erst eingebunden, wenn es brennt – und nicht, wenn Entscheidungen vorbereitet werden. Was braucht es aus Deiner Sicht, damit Interne Kommunikation nicht Feuerwehr bleibt, sondern Mitgestalterin? Und wie sorgst Du persönlich dafür, früh im Prozess am Tisch zu sitzen?
Interne Kommunikation wird dann Mitgestalterin, wenn klar wird, welchen strategischen und operativen Mehrwert sie liefert. Dazu gehören klare Ziele, klare Pläne und klar definierte Verantwortlichkeiten. Dazu gehören klare Ziele, klare Pläne, klar definierte Verantwortlichkeiten, und natürlich Kommunikator*innen, die die Ärmel hochkrempeln und ihre Expertise an den Tisch bringen.
Ein weiterer entscheidender Erfolgsfaktor ist für mich ein starkes Netzwerk im Unternehmen zu haben. Wenn interne Kommunikation früh den Dialog sucht, Beziehungen aufbaut und kontinuierlich mit Kolleginnen weltweit im Austausch ist, entsteht ein echtes Verständnis für Themen, Erwartungen und regionale Perspektiven. Ein solches Netzwerk ermöglicht es, früh Impulse zu setzen und bei Entscheidungen mitzuwirken, bevor die Umsetzung beginnt. Genau dort beginnt strategische Mitgestaltung.

Wenn Du drei Jahre nach vorn schaust: Was möchtest Du in der Internen Kommunikation bei Henkel erreicht haben? Gibt es ein Ziel, bei dem Du sagst: »Wenn uns das gelingt, hat sich die Mühe wirklich gelohnt«?
Für die kommenden Jahre sehe ich drei wesentliche Ziele: Erstens eine ausgewogenere Balance aus Fakten, Daten und Bauchgefühl, sodass Entscheidungen zwar analytisch fundiert sind, aber dennoch Raum für Erfahrung und Intuition bleibt.
Zweitens eine Arbeitsweise, in der KI selbstverständlich und hilfreich integriert ist und nicht als Zusatz oder Ausnahme empfunden wird.
Drittens Informationen, die Kolleg*innen weltweit – je nach Bedarf – wirklich unterstützen. Relevante Inhalte, zur richtigen Zeit, im passenden Kanal und so aufbereitet, dass sie inspirieren und auch im jeweiligen Arbeitsalltag unmittelbar hilfreich sind.
Wenn das gelingt und wir als Team professionell, neugierig und weiterhin mit Freude zusammenarbeiten, dann haben wir sehr viel erreicht.

Gerhard Vilsmeier

Dr. Gerhard Vilsmeier ist Inhaber von ie Communications, Berater, Trainer und Coach für interne und externe Kommunikation. Langjährige Führungserfahrung bei Siemens, Journalist und Dozent. Mitinitiator des INKOMETA-Awards. Fundament: Kommunikation als Basis von Wirkung.


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