Ein Beitrag von Cátia Kroll Taliani, Diplom- Dolmetscherin, Gründerin und Geschäftsführerin der Kroll Languages GmbH

New Work fühlt sich schon gar nicht mehr so neu an, oder? Zumindest seitdem die letzten drei Jahre Unternehmen dazu zwangen, den Turbogang in Sachen Digitalisierungsprozesse einzulegen. Die Umrüstung auf Homeoffice und hybride Arbeitsmodelle machte an vielen Punkten technische Lücken sichtbar, sorgte für Frust bei Arbeitnehmer*innen, wenn die heimische Internetleitung mal wieder unter Gruppen-Calls zusammenbrach, und stellte Arbeitgeber*innen vor immense Herausforderungen. Die Menschen nahmen die etwas andere Alltagsversion jedoch schnell an und lernten sie sogar soweit lieben, dass viele Unternehmen das remote Arbeiten ganz oder in abgewandelter Form übernahmen. Doch wer denkt, Teil der New Work zu sein, nur weil digitale Innovation oder die Option auf Homeoffice endlich im Büro angekommen sind, irrt. Neben rein technischen Fortschritten steigt auch die digitale Kompetenz der Angestellten, auch Digital Literacy genannt, und Corporate Culture gewinnt an Bedeutung – hierbei steht das Mindset im Vordergrund!

Blending statt Balance

Es geht längst nicht mehr darum, Arbeit und Privatleben in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen. Der neue Fokus zielt darauf ab, beides ineinander fließen zu lassen: Work-Life-Blending statt Work-Life-Balance! Predigten gesellschaftliche Normen jahrelang, Arbeit und Privates strikt voneinander zu trennen, um auch mal abzuschalten, sieht das im New-Work-Kosmos ganz anders aus. Hier identifizieren sich Arbeitende so stark mit ihrem Job, dass keine klare Abgrenzung der beiden Lebenswelten von Nöten ist. Überspitzt gesagt: „Ich mache das nicht, ich bin das!“. Das Blending beginnt am Arbeitsplatz; wo dieser sich befindet, bleibt gemäß der New-Work-Norm den Mitarbeitenden überlassen. Auf das offizielle Office muss nicht verzichtet werden, doch die Option remote von zu Hause oder aus einem Café heraus zu arbeiten, nimmt Einfluss auf das neue Arbeitsfeeling. Auch das Workation-Modell, eine Kombination aus Arbeit und Urlaub, integriert sich nach und nach. Die Kombination aus täglichen To-Do’s und persönlichen Lieblingsorten führt zu einem größeren Wohlbefinden und steigender Motivation der Angestellten. Remote oder zumindest hybrides Arbeiten formen die neue Arbeitswelt zu einem großen Teil, aber längst nicht allein! Um das Selbst bestmöglich während der Arbeit zu entfalten, etablierten viele Unternehmen, Agenturen und Start-ups eine besondere Hilfestellung.

 

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Employer Branding sowie People & Culture Teams bilden die personelle Schnittstelle zwischen Brand, sich darunter versammelnden Companies, Employer und Employees. Den Kommunikationsfokus streng danach gerichtet, das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu maximieren und dauerhaft zu gewährleisten. Interne und regelmäßige Feedback-Gespräche haben zum Ziel, dass sich Angestellte wahrgenommen und gehört fühlen. „Wie geht es dir?“ oder „Was stört dich aktuell?“ sind ernstgemeinte Fragen, die eine ehrliche Beantwortung im gesetzten Frame fordern. Wurde es in den letzten Jahrzehnten noch als anmaßend empfunden, Strukturen oder Hierarchien in Frage zu stellen oder zu kritisieren, ist die Feedback-Kultur innerhalb von Unternehmen inzwischen ein wichtiger Bestandteil. Offene Kommunikation und das Eingehen auf individuelle Bedürfnisse ebnen zum einen den Weg für ein positives Umfeld und führen zum anderen auch zu wirtschaftlichen Erfolg. Ganz gemäß dem Grundsatz: Je stärker sich Menschen mit ihrer Arbeit identifizieren, desto größer der Ansporn, diese so gut wie möglich zu verrichten.

Stay connected

Internationalisierung von Unternehmen ist zwar keinesfalls etwas Neues, heutzutage aber um einiges selbstverständlicher als noch vor einigen Jahrzehnten. Agenturen sowie Unternehmen mit mehreren Standorten in Europa oder der ganzen Welt setzen sehr gutes bis fließendes Englisch bei ihren Angestellten voraus. Hier findet interne Kommunikation nämlich auch außerhalb des eigenen Arbeitsplatzes statt. Die Brand, unter der Angestellte arbeiten und mit der sie sich alle gleichermaßen identifizieren sollen, bleibt im Idealfall über Landesgrenzen hinweg dieselbe – regelmäßiger Austausch ist also unabdinglich. So gewinnt die Überwindung von Sprachbarrieren innerhalb der New-Work-Sphäre an immer größerer Bedeutung: Sprachliche Inklusivität rückt in den Vordergrund ebenso wie der Anspruch daran, Mitarbeitende neu miteinander zu verbinden. Die digitalen Kommunikationstools erlauben den Remote-Arbeitenden an verschiedenen Standorten der Welt Vernetzung, privaten Austausch oder informelle Gespräche – eben all das, wofür in der alten Arbeitswelt die Büroküche oder der Aufenthaltsraum herhielten. Eine gute, regelmäßige Kommunikation zwischen Kolleg*innen fördert zusätzlich positive Assoziationen mit Company und Brand.

Als besonders erfolgreich erweisen sich hybride Events, Workshops oder Veranstaltungen, um alle zu vernetzen sowie jeder*m das Gefühl der Zugehörigkeit zu geben. Englisch als Business- und Weltsprache dient dabei als stiller Kompromiss, zumal Betroffene in den meisten Fällen die Muttersprache und somit ihre Komfortzone verlassen müssen. Der Einsatz von Dolmetsch-Services auf internen Hybrid- und Remote-Veranstaltungen oder Konferenzen steigt klar an. Denn Missverständnisse, damit einhergehender Frust und fehlerhafte Kommunikation sind nicht sonderlich New-Work-kompatibel.

Nun gilt es, die in den Kinderschuhen steckenden neuen Arbeitsmodelle mit dem steigenden Internationalisierungsgrad innerhalb von Unternehmen und Digitalisierung zu kombinieren. Et voilà – grenzenlose Möglichkeiten und Chancen! Die leider oft an falscher Umsetzung und fehlendem Know- how der digitalen Veranstaltungsplanung scheitern. Viele Verantwortliche denken, es genüge, wenn alle Beteiligten über ein mobiles Endgerät inklusive Kamera und Mikro verfügten. Dem ist leider nicht so, doch es helfen schon simple Tipps in der Umsetzung.

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Don’t do it yourself

„Do it yourself“ in allen Ehren, aber für einen reibungslosen Ablauf von Online-Veranstaltungen oder Meetings lohnt es, Aufgaben auszulagern. Jahrelange Erfahrung auf dem Gebiet zeigt, was auf kleinsten Fehlern in der Planung oder Umsetzung folgt: Schlechte Verbindung, rauschende Akustik und Sprachbarrieren erschweren das Verständnis. Die Dolmetsch-Branche ist schon längst Teil der Digitalisierung von Unternehmen und sorgt bei Veranstaltungen aller Art für bestmögliche reibungslose Kommunikation.

Neben sprachlichen Besonderheiten wie Dialekten, Akzenten oder Sprachfehlern nehmen organisatorischer Ablauf und technische Rahmenbedingungen Einfluss auf das Gelingen eines digitalen Happenings. Ein ausführlicher Austausch im Vorfeld bildet das Grundgerüst und findet leider oft nicht die ausreichende Beachtung. Ebenso wie die Bestimmung der Art des Formats: Handelt es sich um einseitige oder wechselseitige Kommunikation? Folgenden Punkten, die so simpel wie einleuchtend klingen, sollten Organisator*innen dabei besondere Beachtung schenken:

  • Das A und O für hybride Veranstaltungen ist eine stabile Internetverbindung. Unbeständige Leitungen führen zu Unterbrechungen und im schlimmsten Fall zum Scheitern der Veranstaltung.
  • Große Latenzzeit, erstarrte Videosequenzen aber auch minderwertige Headsets und Mikrophone beeinträchtigen Kommunikations-Qualität und Akustik. Daraus resultieren im schlimmsten Fall Verständigungsprobleme, die das Publikum von wesentlichen Kommunikationsinhalten und Informationen abschneidet.
  • Zur Vermeidung solcher Probleme rate ich zu einem geräuscharmen Arbeitsumfeld, erfahrenen Tontechniker*innen bei größeren Projekten, Einweisung sowie Dry-Run der Beteiligten sowie leistungsfähiger, kompatibler Hardware.

Das Hauptaugenmerk liegt zudem auf empathischem Teamwork und der Entwicklung von entsprechenden Softskills, um die aus der Digitalisierung entwachsende Flexibilität in die Arbeitsabläufe einzubinden. Reibungslose Kommunikation in Unternehmen sorgt für Sicherheit; Menschen fühlen sich wertgeschätzt und wahrgenommen. Interne Unternehmenskommunikation über nationale Grenzen hinweg kann nur funktionieren, wenn sich die Units untereinander verstehen und verstanden fühlen. Die digitalisierte, globale neue Arbeitswelt bietet zahlreiche Möglichkeiten in puncto Wirtschaftlichkeit, Mitarbeitenden-Zufriedenheit und Innovation; die richtige Kommunikation und das Abwerfen veralteter Strukturen sind der Schlüssel für einen nachhaltigen Wandel von Unternehmenskulturen.

 

Autorin

Cátia Kroll Taliani ist Gründerin und Geschäftsführerin der Kroll Languages GmbH. Die Technische Hochschule in Köln schließt die Deutsch-Brasilianerin als Diplom-Dolmetschende für die Sprachen Deutsch, Englisch und Spanisch ab, bevor ihr Weg sie im Jahr 2002 in die Selbstständigkeit führt. Mit der Gründung der Kroll Languages GmbH vereint Cátia Kroll Taliani Konferenzdolmetschen, Übersetzen sowie technische Dienstleistungen unter einem Dach. Vom Oberlandesgericht Düsseldorf ermächtigt und beeidigt, begleitet sie auch Gerichtsprozesse. Cátia Kroll Talianis hohe Qualifikation bestätigen ihre Mitgliedschaften im Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) sowie im Verband für Konferenzdolmetscher in Deutschland (VKD). Cátia Kroll Taliani auf LinkedIn.

Artikelbild: Unsplash