Wir sprachen mit Rüdiger Stadler, Leiter Interne Kommunikation Konzern bei Continental, über Verständnis für Veränderung, interaktive Plattformen und relevante Inhalte für das Unternehmen.

Der Kulturwandel in Unternehmen durch die Digitalisierung ist ein ständiger Prozess. Wie sollte interne Kommunikation diesen Prozess aus Ihrer Sicht begleiten?

Zunächst geht es darum, verständlich zu machen, was den digitalen Wandel ausmacht und was er konkret für das Unternehmen und die Mitarbeiter bedeutet. Im nächsten Schritt gilt es, die emotionale Akzeptanz für den Wandel zu erhöhen. Denn natürlich sind mit jeder Veränderung auch Ängste verbunden. Wenn diese Ängste zu einer Veränderungsverweigerung führen, ist eine erfolgreiche Transformation des Unternehmens nicht möglich. Daher muss interne Kommunikation Möglichkeiten schaffen, sich über die Chancen und Risiken der Veränderung austauschen zu können. Gleichzeitig muss sie unterstützende Angebote machen oder bewerben. Ein konkretes Beispiel: Wir setzen bei Continental auf die Zusammenarbeit in einer Netzwerkkultur. Dafür braucht es die innere Bereitschaft und die technischen Voraussetzungen. Durch unsere interne Social Media Plattform ConNext geben wir den Mitarbeitern Raum, sich völlig frei weltweit zu vernetzen und auszutauschen. Zudem haben wir vor kurzem Office 365 eingeführt, was zum Beispiel die Zusammenarbeit in Teams deutlich vereinfacht.

Generell versuchen wir eine positive Grundhaltung gegenüber Veränderungen zu vermitteln und anzuregen, über die damit verbundenen Chancen nachzudenken. Gerade für ein Unternehmen wie Continental ergeben sich dadurch enorme Möglichkeiten in bestehenden und neuen Geschäftsfeldern.

Mit welchen Instrumenten und Maßnahmen gelingt es der internen Kommunikation, Orientierung zu bieten und Verständnis zu schaffen? Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang Plattformen, auf denen die Mitarbeiter selbst aktiv intern kommunizieren können?

Jeder Mensch bevorzugt unterschiedliche Medien. Während die einen Informationen in einem kurzen Videoclip erhalten möchten, bevorzugen die anderen einen ausführlichen Artikel im Mitarbeitermagazin. Wir berücksichtigen dies, denn bevor interne Kommunikation wirken kann, muss sie die Mitarbeiter erst einmal erreichen. Wir bieten daher eine breite Palette von Kanälen an: Townhall-Meetings, Intranet, interne Social Media Plattform, Führungskräfte-Portal, Webcasts, Videos, gedrucktes Mitarbeitermagazin und noch einiges mehr.

Auch wenn die Kanäle unterschiedlich sind – die Kernbotschaften bleiben identisch. Mit einer jeweils auf die Zielgruppe angepasste Schwerpunktsetzung, z.B. für Führungskräfte. Das schafft Orientierung und verhindert Kakophonie. Zusätzlich stehen wir im stetigen Austausch mit den Divisionen. Denn Kommunikation muss nicht nur auf Corporate- sondern auch auf Divisions-Level abgestimmt sein, um Orientierung zu gewährleisten.

Interaktive Plattformen spielen bei uns eine sehr wichtige Rolle: Auf den ersten Blick mag es so erscheinen, dass die Vielfalt der dort geäußerten Meinungen eine Orientierung eher erschwert. Tatsächlich ermöglicht sie aber, ein Thema umfassend zu verstehen und damit einordnen zu können. Zudem können sich Mitarbeiter völlig selbstständig in Communities zusammenfinden und damit auch sehr spezielle Themen behandeln, die eine global ausgerichtete Unternehmenskommunikation niemals passgenau abdecken könnte.

Woraus resultiert Relevanz bezogen auf die Inhalte der internen Kommunikation? Können auch Themen und Inhalte relevant sein, die nicht aus der Belegschaft kommen, sondern „von oben“ gesetzt werden?

Relevant ist, was der Einzelne für sich als relevant betrachtet. So ist es sicherlich kein Zufall, dass in vielen Unternehmen der Speiseplan häufiger angeklickt wird als eine Botschaft des Vorstands. Die Aufgabe der internen Kommunikation ist es daher, strategische und abstrakte Themen so zu vermitteln, dass sie bei den Mitarbeitern ankommen und von ihnen als wesentlich wahrgenommen werden. Denn relevant sind die Themen „von oben“ selbstverständlich. Schließlich geht es oft um die aktuelle Lage oder die Weiterentwicklung des Unternehmens – also Dinge, die Auswirkungen auf die Mitarbeiter haben.

Rüdiger Stadler ist Leiter der Internen Konzern-Kommunikation beim Technologieunternehmen Continental. Sein Team und er steuern die Kommunikation mit den über 240.000 Continentäler weltweit. Vor seinem Einstieg bei Continental war Stadler für das Pharmaunternehmen Janssen tätig, einer Tochter des Johnson & Johnson Konzerns. Er übernahm dort wachsende Verantwortung in den Bereichen externe und interne Kommunikation, Marketing und Vertrieb. Stadler hat Angewandte Kulturwissenschaften in Lüneburg studiert. Darüber hinaus war er nach einem abgeschlossenen Volontariat als Print- und Hörfunk-Journalist sowie als Moderator tätig.

Verständnis

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