Rückblick: Tagung Interne Kommunikation 2026 – Kultur wirkt: Wie Führung und Kommunikation Haltung prägen

Eindrücke der Fachtagung Interne Kommunikation

Kultur ist das Thema, das Unternehmen sich nicht mehr schönreden können

Auf Konferenzen über interne Kommunikation fällt schnell das Wort Kultur. Manchmal zu schnell. Dann ist Kultur die freundliche Überschrift über allem, was man seinen Mitarbeitenden so Gutes tut. Doch was steht eigentlich dahinter und ist Unternehmenskultur nicht viel mehr als das?  

Wo Kultur, Führung und KI zusammenlaufen

Die Tagung Interne Kommunikation stand in diesem Jahr unter dem Motto „Kultur wirkt: Wie Führung und Kommunikation Haltung prägen“. Die Auseinandersetzung mit Unternehmenskultur führte uns bereits beim Vorabendevent an die Herausforderungen der Gegenwart heran: KI, Führungsdruck, Vertrauensverlust, Überforderung, die Frage nach der Rolle der internen Kommunikation und die Einsicht, dass sich viele dieser Themen nicht mehr getrennt voneinander behandeln lassen. 

Denn genau das war in Düsseldorf zu hören. Wer heute über Kultur spricht, spricht zwangsläufig über Führung. Wer über KI spricht, spricht auch über Kultur. Und wer Führung und Veränderung ernst nimmt, landet sehr schnell bei der internen Kommunikation, allerdings nicht in ihrer alten Rolle. 

„Kultur kann man nicht bestellen.“

Ein Satz aus der Keynote von Annette Siragusano brachte das Problem früh auf den Punkt: „Kultur kann man nicht bestellen.“ Dahinter verbirgt sich die Absage an eine Denkweise, die in vielen Organisationen immer noch erstaunlich stabil ist. Die Vorstellung nämlich, man könne ein neues Strategiethema ausrufen, ein Veränderungsvorhaben anschieben oder KI ins Unternehmen holen und die interne Kommunikation liefere dann den kulturellen Unterbau gleich mit. Ein bisschen Haltung, ein bisschen Storyline, ein paar gute Formate, fertig. So funktioniert es nicht.

KI ist kein isoliertes Technologiethema 

Gerade beim Thema KI wurde das besonders deutlich. Die Debatte ist längst weiter als die Frage, ob Unternehmen sich damit beschäftigen sollten. Sie tun es ohnehin. Interessant ist inzwischen, ob sie wissen, warum. 

Denn auch das war in Düsseldorf immer wieder zu hören: KI ist kein Selbstzweck. Kulturarbeit auch nicht. Beides ergibt nur dann Sinn, wenn klar ist, worauf es einzahlen soll. Auf welche strategische Frage, auf welches Problem und auf welche Unternehmenszukunft. 

Die interne Kommunikation soll alles leisten. Aber nicht mehr nur senden 

Fast noch bemerkenswerter war, wie offen über die Rolle der internen Kommunikation gesprochen wurde. Andrea Montua betonte, dass die IK viel früher ins Spiel kommen muss, statt einfach alles und immer mehr zu senden.  

Denn der internen Kommunikation wird derzeit fast alles zugeschrieben. Sie soll Orientierung geben, Führung unterstützen, Veränderung verständlich machen, Kultur stärken, Mitarbeitende einbinden, Unsicherheit auffangen und jetzt zusätzlich auch noch den KI-Wandel kommunikativ begleiten und dabei selbstverständlich auch mit gutem Beispiel vorangehen. Das ist ein beachtliches Aufgabenspektrum. Denn wer Orientierung schaffen soll, muss verstehen, was entschieden wird, warum es entschieden wird und an welchen Stellen die Spannungen liegen. Sonst bleibt interne Kommunikation zwangsläufig nachgelagert. Dann formuliert sie aus, was andere vorgedacht haben, und wird gleichzeitig dafür verantwortlich gemacht, wenn Mitarbeitende nicht mitziehen. 

Führung zeigt sich dort, wo Kritik möglich bleibt

Bei der Tagung Interne Kommunikation wurde aber immer wieder betont, dass Kultur dort glaubwürdig wird, wo Führung sich zeigt und etwas aushält. Kritische Fragen zum Beispiel sowie Widersprüche und Kommunikation abseits des altbekannten „Elfenbeinturms“. Führungskräfte müssen Kultur also einerseits vorleben, sie aber auch aushandeln, durchsetzen und überlegen, welche Konsequenzen eine Missachtung von Unternehmenswerten nach sich ziehen sollte.  

Das wurde in den Beispielen greifbar, etwa dort, wo Unternehmen Wertevermittlung ganz klar als Führungsaufgabe behandeln. Bei der edding Gruppe etwa ging es um die Frage, wie Werte als gemeinsamer Referenzrahmen durch die Organisation getragen werden können. Die Logik dahinter ist bestechend einfach: Werte wirken erst dann, wenn Menschen sich als Träger*innen statt als Empfänger*innen verstehen.  

Kultur ist kein Thema für später

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis der diesjährigen Fachtagung Interne Kommunikation ist, dass es sich Unternehmen nicht mehr leisten können, ihre Kulturarbeit als weiches Thema für gute Zeiten aufzusparen. 

Kultur entscheidet mit darüber, ob Menschen Vertrauen fassen, ob Führung glaubwürdig ist, ob Veränderung anschlussfähig wird und ob technologische Umbrüche wie KI im Unternehmen tragfähig bearbeitet werden können. Und interne Kommunikation ist in diesem Gefüge eine zentrale Stellschraube, die in vielen Fällen deutlich früher beteiligt werden muss. 

Viele dieser Themen wurden am Folgetag in Seminaren zu Leadership, Change und Intranets weiter vertieft. Das passt zum Eindruck, den die Tagung hinterlassen hat: Die wirklich interessanten Themen enden nicht mit dem letzten Programmpunkt. 

Back to top