Interaktive Sessions, Netzwerken und lockerer Austausch – hört sich nach einem Präsenzevent an? Ja, das geht aber auch digital! Dies hat Microsoft Deutschland mit seinem zweiten #HeartsandMinds Barcamp am 21. Februar 2021 eindrücklich bewiesen. Rund 241 Kommunikator*innen aus ganz Deutschland kamen vor ihren Bildschirmen in MS Teams zusammen und verbrachten einen Tag voller Austausch und Input. Auch wir waren wieder dabei und halten unsere Eindrücke in diesem Beitrag fest.

Schon letztes Jahr warteten die Organisator*innen des Barcamp rund um Bianca Bauer, Internal Communications Lead bei Microsoft Deutschland, mit erfrischenden Networking-Ideen auf – beispielsweise dem Barcamp-Buddy (siehe Beitrag). Ein Event, das wie eine Art Klassentreffen der Branche fungiert und bei dem das Netzwerken an oberster Stelle steht, in ein digitales Event zu überführen, ist eine Mammut-Aufgabe. Man könnte meinen: unmöglich. Wir finden, Microsoft ist dies mehr als gelungen. Verschiedene Breakout-Rooms zum Netzwerken und spielerische Elemente, wie das gemeinsame Bingo mit klassischen Video-Konferenz Sprüchen, oder die virtuelle Fotobox ließen die Teilnehmenden digital zusammenkommen.

„Seit ein paar Jahren ist der Leitspruch hinter der internen Kommunikation bei Microsoft Deutschland ‚Winning Hearts And Minds Of Employees‘ und dadurch wurde es zum ersten Barcamp im Februar 2020 das Motto dessen. Mit der virtuellen Variante ist mir noch stärker bewusst geworden, wie wichtig der Austausch mit Sparringspartner*innen aus der Branche ist, um genau solche Strategien im eigenen Unternehmen langfristig umzusetzen und immer wieder mit neuen Inspirationen zu füllen“, so die Organisatorin des Barcamps Bianca Bauer.

 

Digitale Kommunikation ist eine Frage der Haltung

Was auf dem Eröffnungs-Panel und in den Barcamp-Sessions häufig anklingt: Ob digitale Kommunikation und Austausch funktionieren, ist eine Frage der Haltung – im Unternehmenskontext ungleich mehr als auf einem Branchen-Event. Im virtuellen Rahmen ist grundsätzlich sehr viel möglich. Natürlich: Digitale Formate ersetzen niemals den persönlichen Kontakt. Aber sie können ihm sehr nahekommen, einen Teil seiner besonderen Qualitäten aufgreifen. Gerade in den jetzigen Zeiten ist der Einsatz digitaler Kanäle unabdingbar. Die Expert*innen des Eröffnungspanels sind sich einig: Es brauche eine gute Mischung zwischen digital und persönlich. Im Grunde sei digitale Kommunikation eine Frage der Haltung – man müsse loslassen und vertrauen können, so Andrea Montua Geschäftsführerin von MontuaPartner Communications.

Dieser Meinung schließt sich auch Julian Kupfer, Corporate Communications Manager von Beiersdorf an. „Die Zukunft wird hybrid sein“, bringt er seine Botschaft auf den Punkt. Wir machten es uns sehr einfach, zu sagen digital wäre nicht das gleiche, erklärt er. Es gehe also darum, Lösungen zu finden und sich nicht per se Neuerungen – oder im konkreten Fall der Digitalisierung – zu verschließen.

 

Persönliche Nähe: In Zeiten der Krise zeigt sich das wirklich Wichtige

Bei all dem spielt vor allem ein Faktor eine große Rolle: Emotionalität. Gerade vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie – und vor dem Lichte der Tatsache, dass Organisationen soziale Gefüge darstellen – wissen wir, wie entscheidend die persönliche Komponente für die Kommunikation und Zusammenarbeit ist. Philipp Bahrt – Co-Autor dieses Beitrags und als Chefredakteur BEYOND ebenfalls unter den Panelist*innen – gibt zu bedenken, dass zwischenmenschliche Beziehungen nie komplett digital aufgefangen werden können. Es stellt sich also die Frage: „Wie transportiere ich auf digitalem Wege Emotionalität?“ Gerade für die digitale Führung ist dies eine Frage, die aktueller und wichtiger kaum sein könnte.

Für Führungskräfte ist nicht nur dieser Punkt eine große Herausforderung. Unternehmen gehen immer mehr über zu einer kollaborativen Unternehmenskultur. Viele müssen sich in der jetzigen Situation schnell anpassen, um nicht das Nachsehen zu haben. „Top-Down-Kommunikation funktioniert nur noch bei einzelnen Themen“, sagt Katja Matznick, Leiterin Mitarbeiterkommunikation bei ebay Deutschland, und stellt die Frage in den Raum, „Wie geht man als Führungskraft mit Menschen um, die plötzlich mitreden möchten?“ Dr. Sabine Einwiller, Professorin für PR Forschung am Institut für Kommunikation der Universität Wien und Leiterin der CCom Research Group, sieht einen möglichen Lösungsansatz in einer partizipativen Führungskultur. Diese müsse allerdings gelernt sein und hier könne die interne Kommunikation einen großen Beitrag leisten. Einerseits Befähigerin zur Kommunikation auf Seiten der Mitarbeitenden ist sie andererseits Sparringpartnerin für Führungskräfte. „Die interne Kommunikation ist bei weitem nicht verantwortlich für die komplette Unternehmensführung“, so Andrea Montua – sie sei aber verstärkt als beratende Instanz innerhalb des Unternehmens gefragt.

 

Wertschätzung und Vertrauen als Schlüsselfaktoren für den Erfolg

Verantwortliche der internen Kommunikation stoßen mit ihrer Arbeit zunehmend in Bereiche vor, die über klassische Kommunikation hinausgehen. Angesichts der Digitalisierung kommt es auf die Kooperation der internen Kommunikation mit anderen Abteilungen an – und auf das Treiben von Prozessen und Veränderungen durch Kommunikator*innen. „Wir befinden uns hier im Bereich der Organisationsentwicklung“, stellt Philipp Bahrt heraus, „Mitarbeitende agieren selbstständig im Sinne des Unternehmens.“ Nur auf Basis eines beeindruckenden Engagements sei es vielen Unternehmen gelungen, bis hierhin durch die Krise zu kommen. Dies erkläre auch den enormen Bedeutungszuwachs internen Kommunikation in den vergangenen Monaten.

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IK-Verantwortlichen kommt vor allem eine Position als Moderator*innen zu – sie stehen zwischen den Mitarbeitenden und der Managementebene. Die Hauptaufgabe dabei sei es, Transparenz zu schaffen – in jegliche Richtung, so Julian Kupfer. Und nicht nur das: Eine Unternehmenskultur, die auf Vertrauen und Wertschätzung basiert, spiele hier eine entscheidende Rolle. Dafür müssten die Führungskräfte ihre Top-Down-Bühne zum Teil aufgeben, wirft Julian Kupfer in die Runde und fügt an, die interne Kommunikation solle „Graswurzelbewegungen zulassen, befähigen, beraten – kurz die Möglichkeit zur Kommunikation geben“. Ein Prozess, der nicht ohne Konflikte ablaufen wird.

 

Die interne Kommunikation – ehrlich, transparent und kollaborativ

Die Pandemie hat in der internen Kommunikation etwas ausgelöst, sie auf eine andere Ebene in Unternehmen und Organisationen gehoben, neue Herausforderungen und Aufgabengebiete geschaffen. Kann man also sagen: Die interne Kommunikation wird in Nach-Pandemie-Zeiten die zentrale Stelle in Unternehmen sein? „Ein deutliches Ja“, so Andrea Montua. Auch Dr. Sabine Einwiller schließt sich dem an: „Der internen Kommunikation wird eine besondere Stellung zukommen. Sie fördert aktiv Kommunikation, muss zuhören und unterstützen.“ Der Fokus läge momentan noch primär auf der Unterstützung der Führungskräfte, es müsse aber an alle gedacht werden.

Die interne Kommunikation steht vor großen Aufgaben. Wichtig sei dabei, dass sie transparent, ehrlich und offen für Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen sei, sagt Katja Matznick. Wir befinden uns in einem stetigen Lern- und Entwicklungsprozess – nicht nur in der Kommunikationsabteilung. Alle müssen lernen, ihre jeweiligen Themen zu kommunizieren.

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Vielfältige Impulse: virtuelle Barcamp-Session vertiefen den Austausch

Nach dem Eröffnungspanel hatten die Teilnehmenden die Wahl zwischen 30 verschiedenen Barcamp-Sessions. Von der Nutzung von Microsoft 365 über Diversity bis hin zu Podcasts, digitaler Führung und Corporate Digital Responsability gab es vielfältige Themenangebote. Unser Highlight: Ein Guide zu so richtig schlechten Präsentationen. Wir haben mit Witz und einem Augenzwinkern gelernt, wie man Präsentationen eher nicht halten sollte – das ist einprägsam im Kopf geblieben und ein erfrischender Ansatz, bestehenden Themen einen frischen Anstrich und neue Perspektiven zu geben.

Abgerundet wurde das Programm durch Aktivitäten in der Mittagspause, Ask the Experts-Sessions und Spotify-Playlists zur Untermalung des Tages. Natürlich wäre es schön gewesen, sich bei einem Kaffee auch persönlich kennenzulernen. Unser Fazit des Tages lautet dennoch: Eine rundum gelungene Veranstaltung mit Networking-Charme und viel Austausch. Man muss sich nur darauf einlassen!

Über die Autor*innen

Désirée Böhm arbeitet bei der SCM – School for Communication and Management in Berlin als Redakteurin zu verschiedenen Themen rund um die interne und externe Kommunikation. Zudem leitet Sie das internationale Themengebiet Interne Kommunikation und organisiert verschiedene Veranstaltungen.
Sie studierte hispanoamerikanische Literaturwissenschaften und Germanistik.

 

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Philipp Bahrt verantwortet bei der SCM – School for Communication and Management in Berlin den Themenbereich Interne Kommunikation. Er ist Chefredakteur des Fachmagazins „BEYOND“ und arbeitet im Rahmen von Vorträgen, Fachbeiträgen und Studien zu verschiedenen Themen rund um die digitale Transformation und ihre Bedeutung für die organisationsinterne Zusammenarbeit. Der studierte Diplom-Volkswirt interessiert sich besonders für die Schnittstellen von effizienten Organisationsstrukturen und wertschätzender, einbeziehender Kommunikation.

 

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