Martina Stemmer: „Unser Stickeralbum hat ein großes Sammelfieber ausgelöst.“

Martina Stemmer

Mit ihrem Best Case bei der INSP!RE-Konferenz in Wien „Wie erzählt man die Geschichte eines Amtes – und bringt alle ins Gespräch?“ zeigt Mag. Martina Stemmer vom Österreichischen Patentamt am 15. April, wie ein Jubiläumsprojekt für lebendigen Austausch über Abteilungs- und Hierarchiegrenzen hinweg sorgt. Wir haben ihr vorab vier Fragen gestellt.

Ein Stickeralbum ist ungewöhnlich für ein Amt. Wie haben Sie die Idee intern so platziert, dass sie nicht als „Jubiläums-Gag“ abgetan wird – wen mussten Sie überzeugen und was war Ihr stärkstes Argument?
Das stärkste Argument war, dass wir ganz bewusst etwas Überraschendes machen wollten. Keine langatmige Festschrift, keine Geschenkkörbe, keine Grußbotschaften von honorigen Persönlichkeiten – nichts Amtstypisches eben. Sondern etwas, das die Geschichte des Hauses kompakt und unterhaltsam darstellt – UND die Menschen zusammenbringt. Genau dieser Ansatz hat unsere Amtsführung überzeugt, sodass sie das Projekt von Anfang an unterstützt hat.

Was hat das Stickeralbum im Alltag konkret ausgelöst?
Ein großes Sammelfieber – und zwar ab dem Moment, an dem wir die Alben beim großen Kick-Off ausgegeben haben. Bereits während der Veranstaltung, für die wir auch ein unterhaltsames Quiz vorbereitet hatten, fanden sich die Kolleg*innen in kleinen Grüppchen zusammen, um die ersten Sticker zu tauschen. Und genau so ging es in den Wochen danach weiter: im persönlichen Austausch bei Kaffeerunden und Tauschbörsen ebenso wie digital in der Community im Intranet.

Welches Erlebnis oder Zitat zeigt für Sie am besten, dass es Gespräche über Abteilungs- und Hierarchiegrenzen hinweg angestoßen hat?
Exemplarisch eine Nachricht eines Kollegen aus der Online-Community – ähnliche Beiträge gab es viele: Kolleg*innen luden andere in ihr Büro ein oder verabredeten sich beim Kaffeeautomaten.
„Hallo, ich habe leider meine doppelten Sticker alle im Veranstaltungssaal gelassen; schwächt meine Verhandlungsposition ungemein. Allerdings ist meine Schoko-Lade bestens gefüllt. Falls jemand Lust auf Schokolade hat und sich von 17, 19 und/oder 23 trennen möchte, kommt einfach vorbei. Außerdem fehlt mir noch Nr. 18, sollte das wer haben und diese Zeilen lesen, gilt auch hier das Schokolade-Angebot.“

Noch eine kleine Nachfrage zum Blick auf die Umsetzung: Welche eine Design-Entscheidung war entscheidend, damit das Sammeln und Tauschen wirklich ins Rollen kam?
Entscheidend war für uns, die 125-jährige Geschichte nicht streng chronologisch zu erzählen. Stattdessen haben wir verschiedene thematische Schwerpunkte gewählt, die eine Brücke zur Gegenwart schlagen: Wie hat sich zum Beispiel die „Dienstkleidung“ im Laufe der Zeit verändert? Welche Entwicklungen gab es in den letzten Jahrzehnten bei Gendergerechtigkeit und Diversity? Und wie sah die internationale Zusammenarbeit eigentlich vor 100 Jahren aus?
Zusätzlich haben wir darauf geachtet, neben offiziellen Fotos auch Schnappschüsse – etwa von Ausflügen oder Weihnachtsfeiern – ins Album aufzunehmen. So konnten sich viele Kolleg*innen auch selbst im Album wiederfinden.

Maskottchen Österreichisches Patentamt

Begleitet wird das Ganze von einem eigens entwickelten Maskottchen, das mit frechen Sprüchen durchs Heft führt. Auch das hat die Identifikation gefördert.

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