Ein Abend, der bleibt

Rückblick auf den INKOMETA Award 2025 in Berlin
Der Applaus will kein Ende nehmen, als alle Gewinnerteams am Ende des INKOMETA Awards 2025 noch einmal auf die Bühne im nhow Berlin kommen. Dort verdichtet sich, was die interne Kommunikation heute prägt: Tempo, Wandel, Anspruch. Es geht längst nicht mehr um Wohlfühlmomente oder schöne Bilder, sondern um strategische und konzeptionelle Arbeit, die Wirkung zeigt – nach innen wie nach außen.
Jurypräsident Dr. Gerhard Vilsmeier beschreibt diesen Wandel mit Blick auf neue Technologien: »Ihr müsst die KI führen, sonst habt ihr nur Wörter und keine Worte.«
Kein Bonmot, sondern eine Positionsbestimmung. Künstliche Intelligenz entlastet, aber sie ersetzt nicht das Denken. Sie verschärft den Anspruch an Strategie, Klarheit und Sprache – und wird so zum Prüfstein einer Profession, die sich selbst kritisch hinterfragt.

Zwischen Haltung und Handwerk
Die prämierten Projekte zeigen, worauf es ankommt: auf Klarheit, Struktur und messbare Wirkung.
BASF verknüpfte Unternehmensgeschichte mit einem offenen Diskurs über Demokratie – ein Thema, das Mut verlangt. ALDI International Services punktete mit klarer Strategie und messbaren Erfolgen. Und Implenia setzte mit einem Intranet Maßstäbe, das Kommunikation, Zusammenarbeit und Orientierung vereint – ein »Intranet für alles«. »Wir denken künftig in Themen, wir denken künftig in Instrumenten – und das zusammen ergibt Kommunikationsaktivität «, erklärt Silvan Merki, Kommunikationschef von Implenia. Ein Satz, der zeigt, wie sehr sich das Selbstverständnis der internen Kommunikation gewandelt hat – weg vom Senden, hin zum Steuern.
Auch DB Regio entschied sich bewusst gegen Hochglanz und für Begegnung. Mit dem Projekt »RegioNah – Vorstand im Dialog mit Mitarbeitenden vor Ort« bringt das Unternehmen Management und Belegschaft ins Gespräch – »nicht durch Hochglanz, sondern durch Nähe«, sagt Lars Westermann von der Deutschen Bahn. Und Novartis Pharma verwandelte den Standortumzug in eine Beteiligungskampagne – Mitarbeitende als Erzähler*innen, nicht als Zielgruppe.
Kommunikation mit Haltung
»Gesellschaftliche Relevanz ist kein Nebeneffekt – sie ist ein Kriterium«, sagt Guido Wolf vom conex.Institut, Fachjuryleiter der Kategorie »Culture & Purpose«. Die Wiener Stadtwerke zeigten mit ihrer EDI-Kampagne, dass Vielfalt keine Phrase ist, sondern Führungsaufgabe. Freudenberg wiederum nutzte sein 175-jähriges Bestehen, um die eigene Geschichte neu zu erzählen – nicht als Rückblick, sondern als Haltung. Eine visuelle Erzählung, die Tradition nicht feiert, sondern fortschreibt.
So unterschiedlich die Ansätze, so verbindend das Prinzip: Kommunikation als Fundament von Haltung. Sie feiert sich nicht selbst, sie schafft Orientierung.
Warum sich mitmachen lohnt
Der INKOMETA ist kein Preis für schöne Verpackungen. Er prüft, ob Kommunikation trägt – strategisch, inhaltlich, messbar. Zwei unabhängige Juryrunden bewerten jede Einreichung. »Das sind zwei Peer-Reviews – und wenn ihr heute gewonnen habt, habt ihr es wirklich verdient«, sagt Steffen Henke von der DHL Group, neuer Sprecher der Finaljury für 2026. Dass die Jury hohe Maßstäbe anlegt, zeigte sich deutlich: In der Kategorie »Strategie & Leadership« wurde kein Projekt mit dem Prädikat »Best of Class« ausgezeichnet – zu viele Beiträge blieben konzeptionell hinter ihrem Potenzial zurück. Auch in einzelnen Unterkategorien stand nur eine Nominierung auf der Shortlist. Ein Zeichen nicht von Strenge, sondern von Unabhängigkeit: Hier wird nicht dekoriert, sondern differenziert geurteilt.
Viele Teams berichten, dass die Teilnahme selbst der größte Gewinn war – weil sie das eigene Tun neu betrachten mussten: Wo beginnt Strategie? Wo endet Aktionismus? Und was bleibt, wenn man Kommunikation einmal aus Distanz betrachtet?

Mehr als eine Gala
Durch den Abend führte die Entertainerin und Journalistin Boussa Thiam – charmant, pointiert, mit Gespür für Zwischentöne. Sie hielt Tempo ohne Oberflächlichkeit und brachte Ruhe in die Momente, die Gewicht hatten.
In der Jury wurde gestritten – konstruktiv, sachlich, leidenschaftlich. »Wir sind herzlich miteinander verbunden, aber in der Sache streiten wir«, sagt Finaljurorin Birgit Ziesche (Henkel). »Ganz im Sinne der Demokratie«, ergänzt Dagmar Mackett (DRPGroup), Fachjuryleiterin »Kampagnen«.
Diese Mischung aus Nähe und Widerspruch prägt auch die Gala: kein Schaulaufen, sondern ein Abend, an dem Exzellenz, Austausch und Selbstkritik ihren Platz haben.
»Das ist das schönste Geschenk – weil es zeigt, dass wir als Team etwas bewegen können«, sagt Sarah Mielke von Henkel, ausgezeichnet als »Interne Kommunikatorin des Jahres«.

Ein Preis mit Anspruch
Acht Jahre nach seiner Gründung ist der INKOMETA kein Branchenexperiment mehr, sondern ein Orientierungsmaßstab. »Der Preis ist zu einem der richtungsweisendsten und wichtigsten im deutschsprachigen Raum geworden. Weil er zeigt, dass Kommunikation nicht Mittel zum Zweck ist, sondern Teil unserer Kultur«, sagt der scheidende Jurypräsident Dr. Gerhard Vilsmeier am Ende des Abends.
Der Inhaber von ie Communications wird den Award künftig als Executive Chair strategisch begleiten und auch weiterentwickeln. Die Juryarbeit bleibt unabhängig – die Organisation wird klar getrennt. Ein Schritt, der zeigt, dass der Award Zukunft gestalten will – nicht nur Erfolge feiern.
So richtet sich der Blick nach vorn: Der INKOMETA bleibt ein Ort der Prüfung – und der Ermutigung. Ein Preis, der Kommunikation nicht belohnt, weil sie funktioniert, sondern weil sie Haltung zeigt. Ein Preis, der Maßstäbe setzt, weil er Widerspruch zulässt. Und ein Preis, der seine eigene Rolle kennt: nicht Bühne, sondern Kompass.
Der Jubel im nhow Berlin war also mehr als Freude über gewonnene Trophäen. Er war ein Echo auf das, was gute Kommunikation ausmacht – Klarheit, Mut und die Fähigkeit, aus Wörtern Worte zu machen.

Dr. Gerhard Vilsmeier ist Inhaber von ie Communications, Berater, Trainer und Coach für interne und externe Kommunikation. Langjährige Führungserfahrung bei Siemens, Journalist und Dozent. Mitinitiator des INKOMETA-Awards. Fundament: Kommunikation als Basis von Wirkung.
Interesse geweckt?
Die nächsten INKOMETA Days finden am 17. und 18. November 2026 in Berlin statt. Hier schon Ticket erwerben oder Projekt einreichen.
