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Toolbox-Kolumne, Teil 10: In Krisenzeiten Gestaltungsmöglichkeiten erkennen und erweitern

Bild: Unsplash

Kolumne „Toolbox“ von Ulrike Führmann

Fühlen Sie sich in dieser Krisensituation etwas eingeschränkt – vielleicht sogar eingesperrt? Hätten Sie gerne mehr Gestaltungsmöglichkeiten? Wie können Sie mit der jetzigen Situation besser umgehen? Jammern ist menschlich. Aber je stärker Sie sich auf das konzentrieren, was Sie nicht ändern können, desto ohnmächtiger werden Sie sich fühlen. Beschäftigen Sie sich also damit, was Sie selbst in der Hand haben und selbst gestalten können.

So gewinnen Sie Klarheit

Dafür empfehle ich Ihnen das Modell der Einflusskreise. Es stammt ursprünglich von Stephen Corvey, einem amerikanischen Management-Berater. Es hat mich inspiriert und ich habe es für meine Beratungen erweitert. Das Modell hilft zu erkennen, welche Art von Kontrolle bzw. Einfluss Sie haben. Das erzeugt Klarheit. Im zweiten Schritt können Sie dann überlegen, wie Sie sich mehr Gestaltungsmöglichkeiten schaffen.

SOFT-Analyse

Die drei Einflussbereiche unterscheide ich:

1.     Kontrolle – „Was kann ich direkt kontrollieren?“

In diesen Kreis fallen alle Aspekte und Aufgaben, die Sie in der Hand haben und auf die Sie direkte Kontrolle ausüben können. Kontrolle ist dabei nicht in dem Sinne gemeint, dass Sie andere Personen kontrollieren. Vielmehr ist die Kontrolle über den eigenen Spielraum gemeint, in dem Sie über Handlungsfreiheiten verfügen. Kontrolle ausüben zu können, ist übrigens ein menschliches Grundbedürfnis. Wenn Sie jetzt zum Beispiel im Homeoffice sitzen, könnte das bedeuten, dass Sie Ihren Tages- und Arbeitsablauf frei gestalten können.

2.     Einfluss – „Was kann ich indirekt beeinflussen?“

Hier handelt es sich um Themen und Aktivitäten, die Sie nicht komplett kontrollieren können. Sie haben jedoch Einflussmöglichkeiten, in dem Sie z.B. auf Auswirkungen hinweisen.

Ein Beispiel: Der Freigabeprozess sieht vor, dass die Geschäftsführerin oder der Geschäftsführer alle Artikel für die Intranet-Newslist freigibt. Das verzögert die Veröffentlichung und ist in Krisenzeiten wie diesen, wo Informationen schnell fließen müssen, ärgerlich. Überlegen Sie, wie Sie Ihren Einflussbereich erweitern können. Sie könnten mit ihr oder ihm abstimmen, welche Artikel sie oder er aus unternehmenspolitischer Sicht freigibt und welche in Ihren Verantwortungsbereich fallen.

3.     Akzeptanz – „Wie lerne ich, die Situation zu akzeptieren?“

Diesen Bereich können Sie weder direkt kontrollieren noch haben Sie indirekte Einflussmöglichkeiten. Was Sie aber tun können: Akzeptieren Sie die Situation und überlegen Sie sich einen angemessenen Umgang. Sie kennen sicherlich den Satz: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung.“

Erneut ein Beispiel: Sie müssen – neben Ihrem Partner und Ihrem schulpflichtigen Kind – im Homeoffice arbeiten. Zum Arbeiten ist Ihre Wohnung zu eng. Die Raumsituation lässt sich aber nicht ändern. Sie können die Situation so hinnehmen und akzeptieren. Oder: Sie können auch überlegen, wie Sie die Situation für sich positiv beeinflussen können. Sie bewegen sich so vom Kreis der Akzeptanz in den Kreis des Einflusses.

Zurück im Büro: Gestaltungsmöglichkeiten im Team

Sollten Sie wieder zurück im Büro sein und im Team arbeiten, bietet dieses Tool auch die Möglichkeit, gemeinsam auf eine Situation zu blicken. Zum Beispiel könnte es der schon erwähnte Freigabeprozess durch die Geschäftsführerin oder den Geschäftsführer sein, der sich schleppend gestaltet. Gehen Sie die drei Einflussmöglichkeiten durch:

  • Was haben Sie komplett in der Hand?
  • Wo haben Sie auf Ihren Geschäftsführer Einflussmöglichkeiten?
  • Was sollten Sie akzeptieren?

Wenn Sie die Möglichkeit haben, sich virtuell zu treffen und an einem Whiteboard zu arbeiten, können Sie das Tool auch gleich ausprobieren. Legen Sie einen Fokus fest, zu dem Sie arbeiten wollen. Befüllen Sie dann virtuelle Post-its, die Sie in drei Kreise (oder auch drei Spalten) verschieben. Tauschen Sie sich zu dem Bild aus und ziehen Sie ein Fazit. Überlegen Sie danach Umsetzungsschritte.

Meinen nächsten Beitrag in der Toolbox werden Sie im Spätsommer lesen. Ich hoffe, dass sich die Krisensituation bis dahin entspannt hat. Alles Gute!

Ulrike Führmann

Ulrike Führmann berät und begleitet Unternehmen und Organisationen auf ihrem Weg zu einer wirkungs- und sinnvollen internen Kommunikation, zur Veränderungs- und Teamkommunikation sowie zur Organisationskultur. Sie ist zertifizierte PR- und Change-Managerin, systemische Organisationsentwicklerin (SG) und systemische Supervisorin und Coach (DGSv/SG). Für den INKOMETA-Award für erfolgreiche interne Kommunikation sitzt sie in der Finaljury. Zusammen mit Klaus Schmidbauer hat sie die Praxisbücher „Interne Kommunikation mit Weitblick“ und „Wie kommt System in die interne Kommunikation?“ veröffentlicht. Regelmäßig schreibt sie auf ihrem IK-Blog zu Trends und Themen der internen Kommunikation.

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