Auf unserer Tagung Interne Kommunikation im November 2017 sprach Annette Siragusano (comdirect) über „Mut für Neues“ und darüber, welche Voraussetzungen für agiles Arbeiten in Teams vorliegen müssen. Ihre Inputs inspirierten uns dazu, genauer nachzufragen.

Frau Siragusano, welche Anforderungen an eine „Fehlerkultur“ muss es unternehmensintern geben, damit sowohl Raum für neue Ideen entsteht als auch produktiv gearbeitet werden kann?

Die Formulierung „lernende Organisation“ trifft es vielleicht besser als „Fehlerkultur“. In erster Linie sind Fehler gut, um daraus zu lernen. Dabei können strukturierte und klar definierte Prozesse und Methoden, wie zum Beispiel Retros, helfen. Elementar ist, dass offen in einem vertrauensvollen Miteinander über Schwierigkeiten und Verbesserungsbedarf geredet wird und Maßnahmen definiert werden. Klar ist aber auch: Es gibt auch Vorhaben, bei denen keine Fehler passieren dürfen. So ist es von Bedeutung, in einem Unternehmen ein einheitliches Verständnis darüber zu schaffen, bei welchen Vorhaben man bewusst nicht mit der 100%-Lösung startet, wann „Fehler“ erlaubt oder auch erwünscht sind und bei welchen Vorhaben man zwingend Verlässlichkeit und eine optimale Lösung braucht. Aber welche Projekte eignen sich zum Lernen, bzw. erlauben „Fehler“? Wir leben in einem immer schnelleren digitalen Zeitalter. Zu verstehen, ob Kunden sich ein Produkt oder einen Service wünschen, ist essenziell für die weiteren Schritte. Um das herauszufinden, helfen Prototypen oder MVP’s, die in der Regel nur einen Bruchteil der Funktion darstellen (Anm. d. Red.: MVP steht für „Minimum Viable Product“ und bedeutet, dass ein Produkt zunächst nur die essentiellen Features mitbringt, um seine Funktion zu erfüllen und anschließend auf Basis des Feedbacks frühzeitiger Anwender weiterentwickelt werden zu können). Nicht alles ist von Anfang an perfekt, sieht schick aus oder funktioniert einwandfrei. Genau dafür braucht es Mut, diesen Zustand auszuhalten, um so zu lernen und Raum für neue Ideen zu schaffen.

Unsere Tagung Interne Kommunikation fand unter dem Motto „Mut, Haltung, Wertschätzung“ statt. Welche Rolle spielt die Wertschätzung bei der Arbeit mit agilen Teams?

Wertschätzung sollte in einem Team fest verankert sein. Egal ob es agil ist oder nicht. Letztlich geht es darum, den Wert jedes Einzelnen genauso wie den Wert des Teams und des großen Ganzen zu erkennen und auf Augenhöhe in einem konstruktiven Miteinander zu arbeiten. Wir haben zum Beispiel für uns im Team folgenden Satz als Teil von mehreren Commitments definiert, den wir uns immer wieder ins Gedächtnis rufen: „Wir akzeptieren unsere Stärken und Schwächen und unterstützen uns gegenseitig, um uns weiterzuentwickeln. Jeder Einzelne leistet seinen Beitrag fürs Team“. Ein gutes Team zeichnet sich auch durch Diversität aus.

Wie schätzen Sie den Stellenwert der persönlichen Kommunikation in Zeiten der Digitalisierung ein?

Persönliche Kommunikation wird immer ihren Stellenwert haben. Vielleicht wächst dieser Stellenwert sogar in Zeiten der Digitalisierung, in der alles technisch, schneller und effizienter wird. Das sich „Zeit nehmen“ für jemanden bedeutet auch Wertschätzung. Eine persönliche Kommunikation schafft es, Zwischentöne wahrzunehmen. Daraus erwächst ein authentisches Miteinander und vor allem ein inspirierender Austausch mit der Chance auf viele neue spannende Ideen. Genau diesen Austausch braucht es über alle Hierarchien hinweg.

Als Verfechterin des agilen Arbeitens sind Sie offen für Veränderungen. Von welcher Innovation, die Sie kürzlich ausprobiert haben, waren Sie besonders begeistert?

Bei Innovationen reden wir von Produkten, die es vorher so nicht gab. Persönlich bin ich aktuell von der Entwicklung der Sprachsteuerung begeistert. War ein Austausch mit Siri und Co. bis vor einem Jahr noch etwas spärlich, ist es heute problemlos möglich, über die intelligenten Lautsprecher Echo, Echo Show und Google Home ganze Abläufe im Alltag zu verändern. So diktiert man einen Einkaufszettel und steuert auch Licht und Technik mit dem Gerät. Ferner bin ich überzeugt, dass das Thema Sprachsteuerung auch den Umgang mit Finanzen verändern wird. So kann man schon heute nebenbei Aktienkurse abfragen – das ist einfach und intuitiv. Als erste Bank in Deutschland haben wir im Frühjahr diesen Skill auf den Markt gebracht. Dank unserer schnellen Entwicklung ist dies mittlerweile über alle sprachgesteuerten Devices möglich. Ich muss sagen, es macht wirklich Spaß und ermöglicht einen ganz anderen Zugang zum Thema Wertpapiere. Ich bin gespannt, bei wie vielen ein intelligenter Lautsprecher auf dem Wunschzettel steht…

Annette Siragusano (@AnSiragusano), MBA, leitet die Unternehmenskommunikation der comdirect bank AG. Mit ihrem Team arbeitet sie seit drei Jahren nach Kanban. Als Digital Mind liebt sie Innovationen und spannende Formate wie Finanzbarcamp, den Blog www.bank-neu-denken.de und das kleine Inhouse-Studio. Zuvor war sie unter anderem Leiterin Marketing, Interne und Pressekommunikation der PlanetHome AG, einem Unternehmen der Unicredit Gruppe.

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Annette Siragusano