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Interne Kommunikation: Zusammenhalt in dezentralen Organisationen

Interne Kommunikation Zusammenhalt
Bild: Unsplash

Wir sprachen mit Matthias Link, Senior Vice President Corporate Communications der Fresenius Group, über die interne Kommunikation und Unternehmenskultur in dezentralen, stark wachsenden Organisationen. Im Interview erfahren Sie, wie interne Kommunikation Zusammenhalt schaffen kann.

Wie setzt man seitens der internen Kommunikation einen Rahmen, der Partizipation und Diversität ermöglicht, aber gleichzeitig den Blick für das große Ganze schärft?

Dazu brauchen Sie eine Bühne, die Möglichkeit zur Interaktion und einen Orientierungsrahmen. Zum ersten Punkt: Das kann eine gemeinsame Intranet-Plattform sein, die die Angebote der verschiedenen Bereiche und Regionen ergänzt und miteinander verbindet. Wenn das als soziales Intranet angelegt ist, dann zahlt das auf den zweiten Punkt ein: Die Mitarbeiter*innen können selbst zu Wort kommen und in den Dialog miteinander treten – natürlich auch mit dem Top-Management. Da muss man natürlich Mut zum Kontrollverlust haben. Und zu einer Kultur, die Widerspruch und Andersdenken nicht nur zulässt, sondern sogar fördert. So etwas geht nur mit Regeln, das ist mein dritter Punkt. Nennen Sie es interne „Netiquette“. Und Sie müssen den „Tone from the Top“ haben, etwa in Form von regelmäßigen Blog-Beiträgen der Vorstandsmitglieder. Mit „Fred“, das steht kurz für „Fresenius digital“, versuchen wir, genau das bei Fresenius zu bewerkstelligen.

Woran sollte sich in einer dezentral strukturierten Organisation entscheiden, welche Kanäle und Plattformen global und welche lokal angeboten bzw. genutzt werden?

Die Mitarbeiter*innen müssen die Kanäle und Plattformen als Mehrwert begreifen. Das ist entscheidend. Ohne persönlichen Mehrwert kein Informationsfluss, kein Wissensaustausch, keine Kooperation – kurz: kein Mehrwert fürs Unternehmen. Klingt simpel, ist aber kniffelig. Denn was „Mehrwert für das Unternehmen“ ist, kann man je nach Perspektive und Interessenlage durchaus unterschiedlich definieren. Und hier braucht es die Maßgabe des Top-Managements: Was ist unser Selbstverständnis als Gruppe? Welchen Stellenwert haben Unabhängigkeit und Flexibilität im Verhältnis zu gemeinsamer Identität und konzernübergreifender Zusammenarbeit? Im Idealfall lassen sich Kanäle und Plattformen harmonisieren und eng miteinander verknüpfen. Das trägt zur höheren Durchlässigkeit bei. Es macht Systeme weniger anfällig. Und am wichtigsten: es macht den Mitarbeiter*innen das (Arbeits)Leben leichter.

Welches sind die drei größten Stolpersteine für die interne Kommunikation in stark wachsenden Organisationen?

Erstens Tempo: Wer schnell wächst, hat Mühe, kommunikativ Schritt zu halten und alle – insbesondere die „Neuen“ – auf die Reise mitzunehmen. Das ist durch Covid-19 nicht einfacher geworden. Zweitens IT: Wachstum durch Übernahmen bedeutet in der Regel auch, dass immer wieder neue Kommunikationstechnologien und -systeme dazukommen. Das macht das einfache und nahtlose Kommunizieren extrem schwierig. Nicht zu unterschätzen ist drittens der menschliche Faktor: Wir neigen dazu, unseren eigenen Einflussbereich zu bewahren bzw. zu vergrößern. Das gilt es entsprechend zu moderieren, sonst kann das der Silo-Mentalität Vorschub leisten.

Werden Identität und Unternehmenskultur von oben vermittelt oder entwickeln diese sich eher aus der Organisation heraus? Wie schafft interne Kommunikation Zusammenhalt?

Kultur lässt sich nicht verordnen, aber vorleben. Und kommunizieren natürlich auch. Beides tut unser Top-Management, sei es durch regelmäßige Besuche in den Krankenhäusern und Werken oder Blogbeiträge im Intranet – um nur zwei Beispiele zu nennen. Spannend wird es, wenn es die eine Unternehmenskultur gar nicht gibt, sondern eine Vielzahl teils sehr unterschiedlicher Subkulturen. Die interne Konzern-Kommunikation muss dann den innersten Kern des Unternehmens herausarbeiten und die alle verbindende Klammer auch immer wieder zum Thema der Kommunikation machen. Nicht predigen, aber immer wieder zur Diskussion anregen. Das ist dann so ähnlich wie bei den Vereinten Nationen: Es gibt viele Interessen – aber eben auch zentrale Prinzipien und Gemeinsamkeiten, die alle teilen.

Matthias Link

Matthias Link ist Senior Vice President Corporate Communications der Fresenius Group. Er leitet seit mehr als elf Jahren die Konzern-Kommunikation des Gesundheitskonzerns. Der Diplom-Kaufmann arbeitete davor als Kommunikationsberater für internationale Agenturnetzwerke. Seine berufliche Laufbahn begann er in der Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung.

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