Andrea Vey arbeitet seit 18 Jahren in der Unternehmenskommunikation der Telekom. Michaela Schwinge „erst“ seit acht. Zusammen organisieren sie das Top-Führungskräfteevent und teilen sich seit Anfang des Jahres die Arbeit im Führungskreis der Kommunikation. Für Andrea ist es Teil ihrer Rolle als Key Accounterin, Michaela wurde von ihren Kollegen gewählt. Im Interview sprechen Sie über Zusammenarbeit, Wertschätzung und Mut.

Frau Schwinge, Sie arbeiten gemeinsam mit Frau Vey an verschiedenen Projekten in der Unternehmenskommunikation der Deutschen Telekom. Wie organisieren Sie diese Zusammenarbeit? Welchen Stellenwert hat das persönliche Gespräch in Ihrem Arbeitsverhältnis?

Michaela Schwinge: Gespräche und Feedback sind sehr wichtig. Nicht nur für uns beide in unserer Zusammenarbeit, sondern auch für den ganzen Bereich. Das Thema „Feedback“ ist ein Schwerpunkt für die kulturelle Entwicklung unserer Abteilung. Wir geben uns alle nach unseren Projekten Feedback, der Projektleiter den Mitarbeitern aber auch die Mitarbeiter dem Projektleiter. Das klingt selbstverständlich, ist es im täglichen Doing aber nicht. Daher haben wir im Frühjahr einen ganzen Tag lang mit allen 130 Kolleginnen und Kollegen unterschiedliche Feedback-Methoden regelrecht geübt. Und wir experimentieren derzeit mit unterschiedlichen Feedback-Apps. Die Zusammenarbeit an konkreten Projekten organisieren Andrea und ich klassisch: Auftragsklärung, Team zusammenstellen, Budget beantragen. Und auch wir beide beurteilen uns am Ende des Projektes gegenseitig. Da wir beide – wie fast alle bei COM – an mehr als einem Thema arbeiten und auch öfter zu Hause oder von unterwegs arbeiten, ist Transparenz sehr wichtig: Woran arbeite ich derzeit? Wie ist der Stand der Dinge für unser gemeinsames Projekt? Klemmt es irgendwo? Bei diesem Austausch helfen unsere offenen Bürowelten übrigens.

Frau Vey, Sie arbeiten schon seit fast zwei Dekaden in der Unternehmenskommunikation der Telekom. Welche Veränderung in dieser Zeit war besonders prägend?

Andrea Vey: Aus meiner Sicht als Kommunikatorin: Der Anstieg von Live- und Dialog-Kommunikation. Früher konnte es durchaus länger dauern, bis alle Freigaben für einen Text über eine interne Veranstaltung vorlagen, heute bloggen wir von solchen Events live. Und früher war man erstmal „fertig“ mit einem Thema, wenn der Beitrag im Intranet stand. Direktes Feedback der Leser war ja auch technisch noch gar nicht möglich, dafür gab es dann spezielle E-Mail Hotlines, in denen Mails gesichtet, an Fachabteilungen weiter geleitet, Antworten abgestimmt wurden etc. Kann man sich heute kaum noch vorstellen. Heute beteiligen sich viele Mitarbeiter intensiv an der Kommunikation, sie liken, kritisieren, kommentieren – für alle im Unternehmen sichtbar. Dazu passt, dass sich der Stellenwert von Hierarchien aus meiner Sicht stark verändert hat. Früher gab es viel mehr „Insignien der Macht“, die zeigen sollten: „Hier ist jemand richtig wichtig“ – Vorzimmer, Einzelbüros, besondere Telefonnummern. Heute haben wir an vielen Standorten offene Bürowelten, in denen die Büroausstattung für alle gleich ist und alle zusammen sitzen.

Unsere Tagung Interne Kommunikation findet unter dem Motto „Mut, Haltung, Wertschätzung“ statt. Gab es Situationen, in denen Sie in der Kommunikationsabteilung der Deutschen Telekom Mut für Veränderung gezeigt haben? Was war das Ergebnis? 

Andrea Vey: Ein mutiger Schritt für uns war vor zwei Jahren mit unserer internen Kommunikation vollständig in unser internes soziales Netzwerk „Youandme“ umzuziehen. Erstmals wurden die Autoren mit Namen und Profilbild sichtbar und jeder Artikel kann seitdem kommentiert werden. Damit wurde Community Management zu einer wichtigen Aufgabe für uns Kommunikatoren. Das hat bei den Mitarbeitern, aber auch bei uns selbst ein Umdenken erfordert. Stand am Anfang noch die Angst vor der Kommentarflut und möglichen Shitstorms im Vordergrund, geht es uns jetzt vielmehr darum, wie wir die Mitarbeiter so in unsere Kommunikation einbinden können, dass sie aktiv den Dialog mit uns führen.

Frau Schwinge, Sie wurden von Ihren Kollegen in Ihren Job gewählt. Ist dies ein Zeichen der Wertschätzung für Sie? Wie lässt sich eine solche Wahl wertschätzend gestalten – auch für die unterlegenen Kandidaten?

Michaela Schwinge: Dass meine Kollegen mich gewählt haben, war die größte Wertschätzung, die ich in meinem Berufsleben bisher erfahren habe. Denn sie haben mir damit großes Vertrauen ausgesprochen und mich darin bestätigt, dass es gut war, wie ich mich in den vergangenen acht Jahren in die Abteilung eingebracht habe. Um so eine Wahl durchführen zu können, muss schon die Atmosphäre im Team stimmen. Wir haben ohnehin einen sehr vertrauten und vertrauensvollen Umgang miteinander. Dann ist es für einen wertschätzenden Wahlprozess wichtig, dass er transparent und gut durchdacht ist. Alle wussten, worauf sie sich einlassen, niemand wurde zur Wahl gezwungen, es gab einen offenen und fairen Wahlkampf, jeder hatte die gleichen Chancen. Uns 18 Kandidaten war aber von Anfang an klar, dass wir uns auf nur vier Sitze im Führungskreis bewerben. Nicht gewählt zu werden, war also eine wahrscheinliche Option, mit der man sich auseinandersetzen musste. Und unser Chef hat von Anfang an klar gemacht, dass es ein mutiger Schritt ist, sich zu bewerben und dass allein das schon Respekt verdient.

Sie stellen der Belegschaft eine Selbstorganisation in einer Projektstruktur zur Verfügung. Wie viel Moderation ist im Social Intranet notwendig, damit die Beteiligten wertschätzend miteinander umgehen? 

Andrea Vey: Wir wollten immer, dass in unserem sozialen Netzwerk offen kommuniziert wird. Jeder kann sagen, was er denkt, aber mit offenem Visier. Das heißt, es gibt keine Nicknames. Jeder Kollege ist mit Klarnamen angemeldet. Allein das hilft schon sehr. Außerdem haben wir im Konzern starke Leitlinien, die unser Miteinander bestimmen. Wenn eine Diskussion im Youandme mal etwas rauer wird, verweist die Community schnell schon selbst auf diese Leitlinien. Außerdem hat jeder Kollege die Möglichkeit, Inhalte oder Kommentare unserem Compliance Bereich zu melden, wenn er oder sie glaubt, dass diese gegen Regeln verstoßen. In Ausnahmefällen greifen auch wir als Kommunikatoren moderierend in die Diskussion ein. Das ist aber selten notwendig. Unsere Moderation besteht eher darin, weiterführende Infos zur Verfügung zu stellen oder Kollegen in die Diskussion einzubinden, die Klarheit schaffen können. Generell begrüßen wir den kontroversen Diskurs im Youandme. Nur wenn sich Mitarbeiter trauen, auch mal dem Vorstand zu widersprechen, haben wir eine Kultur, in der Probleme offen angesprochen und dadurch behoben werden können.

Was ist für Sie die wichtigste Erkenntnis für die Organisation einer Unternehmenskommunikation angesichts der Digitalisierung?

Michaela Schwinge: Jeder wird Autor. Ein Satz, der Kommunikatoren vielleicht schon zu den Ohren raushängt, der aber gut beschreibt, dass wir nicht mehr das Monopol auf Botschaftenverbreitung haben. Durch die sozialen Medien können Mitarbeiter und auch Kunden zu wichtigen Botschaftern für das Unternehmen werden. Diese Chance heißt es als Unternehmenskommunikation klug zu nutzen.

Andrea Vey: Und unter klug nutzen, verstehen wir auch: Es ist unsere Aufgabe als Kommunikatoren, unsere Kollegen zu befähigen, selber gute Kommunikatoren zu werden. Das geht von Basics wie: „Wo und wie finde ich ein Thema?“, „Was soll ich beim Texten beachten?“ bis hin zu rechtlichen Fragen: „Was darf ich und was geht nicht?“. Wir arbeiten derzeit unsere Idee einer Art „COM University“ aus: Dort sollen Mitarbeiter der Telekom, die aktiv kommunizieren möchten, die notwendigen Skills erlernen können.

Andrea Vey und Michaela Schwinge sind Speaker auf unserer Tagung Interne Kommunikation in Düsseldorf. In ihrem Best Practice unter dem Titel „Die Welt steht Kopf: Projektorga, Führungskräftewahlen und Content Factory in der Kommunikation der deutschen Telekom“ werden sie weitere Einblicke in ihre Projekte geben.