Laura Freilinger: „Habt den Mut, motivierte Menschen mit ähnlichen Interessen zusammenzubringen und wirksam werden zu lassen“

Laura Freilinger arbeitet bei Siemens und spricht auf der Tagung Interne Kommunikation am 10. Juni in Düsseldorf über Culture Ambassadors – ein Netzwerk aus Mitarbeitenden, die freiwillig peer-getriebene Formate für Kultur- und Teamentwicklung organisieren. Wir haben ihr vorab drei Fragen gestellt.
Laura, Culture Ambassadors statt zentral gesteuerter Programme – wie seid ihr bei Siemens auf diese Idee gekommen, und was war der Auslöser dafür?
Vor etwa fünf Jahren hat das Management unserer Business Unit Motion Control konkrete Werte und Verhaltensanker definiert, die auch gelebt werden sollten: Die MC Culture Ambassadors entstanden, um dieses wichtige Thema mit entsprechenden „PS“ und wirkungsvoll als Peer-to-Peer-Konzept in die Organisation zu bringen. Denn beim Thema Kultur müssen alle an einem Strang ziehen – vom hohen Management bis zu den Mitarbeitenden. Neben der Community selbst gab es übrigens auch noch eine größere Wertekampagne, unterstützt durch die Kommunikationsabteilung.
Die Ambassadors arbeiten freiwillig und organisieren peer-getriebene Formate. Wie stellt ihr sicher, dass das Engagement nicht nach ein paar Monaten verpufft?
Wer anpacken möchte, dem stehen die Türen offen. Wir zählen also auf Selbstnominierung und intrinsische Motivation, um proaktive und kreative Köpfe zu gewinnen. Eine flexible Definition der Ambassador-Rolle, regelmäßige Feedback-Calls, kostenfreie Trainings sowie Sichtbarkeit beim Management adressieren kontinuierlich die unterschiedlichen Antriebe und Bedürfnisse der Ambassadors. Was aber auch dazugehört: Wir gehen offen damit um, wenn jemand die Community z. B. aufgrund veränderter Prioritäten oder Interesse verlassen möchte – denn Authentizität und Motivation aller Mitglieder sind essenziell für die Community-Dynamik.
Was hat dich am meisten überrascht, seit das Netzwerk läuft – und was würdest du anderen Organisationen raten, die so etwas aufbauen wollen?
Ich finde es wunderbar, wie viel verborgenes Wissen die Kolleg*innen bereits vor ihrem Onboarding hatten – weil es eben schon länger ihr intrinsisches Interesse war. In einigen Fällen kamen sogar zertifizierte Coaches auf mich zu, die dies nun auch im Unternehmen anbieten können. Diesen ungenutzten Hebel zu erkennen – also Stärken, Qualifikationen und Kompetenzen einzubringen, die über das eigene Jobprofil hinaus gehen – ist ein Erfolgskonzept. Mein Rat: Habt den Mut, motivierte Menschen mit ähnlichen Interessen zusammenzubringen und wirksam werden zu lassen – unabhängig von deren Linienorganisation.
