Wir sprachen mit Matthias Eberle, Leiter Unternehmenskommunikation der Eurowings Group, über mobile interne Kommunikation, ihre Potenziale und Auswirkungen.

Herr Eberle, welche Zukunft prognostizieren Sie der mobilen internen Kommunikation – zeichnet diese den Weg in die Zukunft der Arbeitswelt oder handelt es sich schlicht um eine zukunftsträchtige Lösung für spezifische Unternehmen und Wirtschaftszweige?

Es gibt sicherlich Branchen, die stärker auf mobile Kommunikation angewiesen sind als andere. Bei Airlines zum Beispiel haben rund 80 Prozent der Mitarbeiter Arbeitsplätze über den Wolken – häufig ohne jede Verbindung in die Zentrale. Mobile Mitarbeiter erreiche ich wesentlich besser und einfacher über mobile Kanäle, ansonsten leidet der Informationsfluss zwischen Airlines und ihren fliegenden Belegschaften. Unabhängig davon ist der Medienkonsum via Smartphone derart rasant gewachsen, das ich heute nahezu allen Unternehmenskommunikationen zu mobilen Tools raten würde. Jüngere Studien zeigen, dass Menschen im Schnitt täglich 88 Mal auf ihr Smartphone schauen. Hier – in direkter Nachbarschaft zu Whatsapp, Twitter und Facebook – ist einfach der beste Ort, um möglichst viele Mitarbeiter schnell, kurzweilig und ortsunabhängig anzusprechen. Das kann im Büro sein, aber auch zu Hause, in der Bahn oder wo immer sie ihr Handy mitführen: Also überall…

Bei Eurowings arbeiten Sie seit Jahren mit einer mobilen Mitarbeiterapp. Was macht das Tool so wertvoll und welche Funktionalitäten stehen darüber zur Verfügung? Wird sich die Funktionalität zukünftig erweitern?

Die News-App ist kein Allheilmittel, aber ein wichtiger interner Kommunikationskanal für relevante Nachrichten, Storys und Videos. Wir setzen dabei stark auf Bewegtbild, weil wir im Medien-Monitoring regelmäßig sehen, dass Videos deutlich stärker ziehen als Texte. Deshalb vergeht heute kaum mehr ein Arbeitstag ohne Videoproduktion. Wir brauchen dafür keine kinoreifen Schnitte, sondern vor allem Aufzeichnungen guter Gespräche von und mit authentischen Kolleginnen und Kollegen. Was die Funktionalitäten angeht, zeigen Whatsapp & Co.: Je einfacher, desto besser.

Wandeln sich die Inhalte mit der mobilen internen Kommunikation oder werden sie im Gegensatz zu früher nur anders aufbereitet? Welche Themen halten Sie für die wichtigsten und sind diese unternehmensspezifisch?

Gutes Storytelling war einst schon bei Oma am Kamin wichtig und hat heute nichts von seiner Bedeutung eingebüßt, eher im Gegenteil: Die heutige Flut an Informationen führt dazu, dass nur noch relevante, gut gemachte Programme und Geschichten Aufmerksamkeit im Unternehmen erzielen. Dabei hilft eine moderne, zeitgemäße Aufbereitung der Inhalte. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass interne Kommunikation mit wichtigen Unternehmensbotschaften besser durchkommt, wenn sich harte strategische Themen mit sehr unterhaltsamen vermischen. Kurz vor Weihnachten haben wir zahlreiche „Ugly Sweater“ im Eurowings Design verlost und zu entsprechenden Mitarbeiterfotos mit dem bunten Christmas-Pullover aufgerufen. Das hat dem gesamten News App-Programm einen neuen Schub gegeben. Weit mehr als 1.000 Mitarbeiter haben sich dann auch die Aufzeichnung eines Webcasts mit unserem CEO angesehen.

Ist es Ihre Vision, irgendwann die komplette interne Kommunikation bei Eurowings mobil abwickeln zu können? Anders gefragt: Wozu braucht es überhaupt noch andere Kanäle, wenn die Funktionalität mobiler Angebote hinreichend fortgeschritten ist?

Nochmal: Mobile Kommunikation ist wichtig, aber kein Allheilmittel. Wir setzen auf einen Mix aus ganz klassischen Kommunikations-Tools und digitalen Kanälen. Die stärkste Form der Kommunikation bleibt auch in der digitalen Ära das persönliche Gespräch, weil es nicht nur das Senden fördert, sondern vor allem das Empfangen. Deshalb organisieren wir regelmäßige Team-Up-Events, Frühstückstermine mit der Geschäftsführung oder Info-Abende wie unsere ‚Digital Lounge‘ mit Pizza und Kölsch. Veranstaltungen wie diese spielen wir dann über Aufzeichnungen in die mobilen Kanäle, um deutlich höhere Reichweiten zu erzielen. So verlinken wir persönliche Kommunikation mit der digitalen Welt, und Mitarbeiter bekommen das Gefühl: Okay, die kümmern sich.

Matthias Eberle leitet seit 2016 die Unternehmenskommunikation der Eurowings Group. Die Fluggesellschaft aus dem Lufthansa-Konzern steuert Flugbetriebe wie Eurowings, Germanwings, Brussels Airlines und LGW unter einem gemeinsamen Dach. Vor seiner Aufgabe bei der nunmehr drittgrößten Low-Cost-Airline in Europa leitete Eberle u.a. die Interne Kommunikation der Lufthansa Group.

Matthias Eberle

Matthias Eberle sprach im November 2018 auf der 22. Fachtagung Interne Kommunikation der SCM im Düsseldorf. Das nächste Mal können Sie sich am 16. Mai 2019 wertvolle Inputs und Branchenkontakte sichern – auf der 23. Tagung Interne Kommunikation in Köln.

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