Interview mit Thomas Biniasz

Was können Sie aus der Perspektive eines Coachs über die Relevanz von konstruktiver persönlicher Kommunikation sagen?

Coaching ist ein zielorientierter, persönlichkeitsentwickelnder Prozess. Meistens funktionieren Coaching-Prozesse im Business-Kontext so, dass gemeinsam mit Coachee, Führungskraft und Personalabteilung Ziele formuliert werden. Die Aufgabe des Coaches ist es dann, diese Ziele personengerecht zu beleuchten: Perspektivwechsel vorzunehmen, Feedback zu geben und wirkungsvolle Verhaltensänderungen zu initiieren.

Dafür ist es als Coach wichtig, die eigenen Sinne zu öffnen und die Wahrnehmung zu weiten. Nicht nur auf das, was eine Person sagt, sondern auch auf das, was sie in dem Moment nicht sagt. Das bedarf Zeit, Ruhe, und Achtsamkeit.

Wie kann ein Gespräch gestaltet werden, damit die Beteiligten von einer gelungenen Kommunikation sprechen?

Menschen möchten ganzheitlich wahrgenommen und nicht auf Ihre Funktion beschränkt werden. Kommunikation wird dann als gelungen wahrgenommen, wenn Kommunikation sowohl einen persönlich, wertschätzenden Aspekt als auch einen fachlich, funktionalen anspricht. Zudem ist der Dreiklang aus Zuhören – ich höre was Du sagst –, Verstehen – ich verstehe, was Du meinst – und das Gesagte berücksichtigen – ich werde Deine Meinung berücksichtigen – ein ganz wichtiger für die persönliche Kommunikation.

Nicht immer ist ein persönliches Gespräch möglich. Wie kann ich die Motivation im digitalen Raum beleben?

Ich erinnere und knüpfe an das geführte persönliche Gespräch an. Ich kann z.B. visuelle Anker nutzen, Bilder von gemeinsamen Gesprächen, die die emotionale Seite wieder beleben oder an ein positives persönliches Gespräch erinnern. Durch diese Erinnerung an das gemeinsam Erlebte steigt die Motivation und Leistungsbereitschaft.

Was ist bei der Kommunikation im Zuge des Change-Management besonders wichtig?

Veränderungen können Sorgen und Ängste auslösen. Diese werden schlimmer, wenn nicht darüber gesprochen wird. Das wichtigste in Veränderungsprozessen ist meiner Erfahrung nach, dass man die Menschen richtig abholt, indem man sie früh in die Veränderungsprozesse einbindet. Auch die Wertschätzung für das ‚Alte’ ist wichtig. Veränderungen sind Transformationsprozesse von Vergangenheit in die Zukunft und emotionale Anpassungsprozesse sind langsam. Wichtig dabei ist auch, die gegenwärtige Situation der Person zu berücksichtigen und eine Balance in der Kommunikation zu finden zwischen dem, was verändert wird und dem, was bleibt. So kann ich ein wenig Sicherheit in unsicheren Zeiten vermitteln.

Veränderungsprozesse erfordern persönliche Kommunikation, oder?

Ich erlebe es häufig, dass Unternehmen in Veränderungsprozessen die Mitarbeiter nur über eine Rundmail informieren. Die Menschen fühlen sich dann nicht wertgeschätzt und das kann Ängste schüren. Es ist daher sehr wichtig, in Veränderungsprozessen die persönliche Kommunikation zu gestalten – in unterschiedlichen Settings: Seien es Großgruppenveranstaltungen, persönliche Gespräche, oder Workshops. Als verantwortliche Person in einem Veränderungsprozess meine Mitarbeiter anzusprechen, ist ein wichtiger Ausdruck der Wertschätzung. Es steigert das Vertrauen in den Veränderungsprozess bei den Mitarbeitern enorm.

In der neunten Ausgabe der BEYOND – dem Fachmagazin für Interne Kommunikation – beschäftigen wir uns mit dem Thema der persönlichen Kommunikation. Dort finden Sie weitere Fachartikel und Interviews zum Thema.

THOMAS BINIASZ ist geschäftsführender Gesellschafter von biniasz und partner. Seit über 20 Jahren ist er als Berater, Trainer und Business-Coach bei renommierten nationalen und internationalen Unternehmen und Organisationen im Einsatz. In der eigenen Akademie bildet er Coaches und Trainer aus.