Kommunikation ist heute einer der wichtigsten Wertetreiber für Unternehmen. Sie soll Öffentlichkeit herstellen, die Urteilsfähigkeit von Dialoggruppen schärfen, Vertrauen aufbauen und stärken sowie Konflikte fair austragen. Gehen wir damit aber nicht einer Fiktion auf den Leim?
Donald Trump hat ein Lieblingswort, wenn die Medien seiner Meinung nach über ihn negativ berichten: Fake News. So Spiegel-Online Redakteur Fabian Reinbold in seinem Artikel „Die Wahrheit über Fake News“.
Die Wortschöpfung wurde im letzten Sommer populär. Erst beschrieben Fake News das Phänomen, dass Lügengeschichten auf Facebook Millionen Menschen erreichen. Dann galten Fake News als ein Grund für den Wahlsieg Trumps. Und nun, ein paar Wochen später, sind Fake News ein politisches Schimpfwort, das in allerlei Auseinandersetzungen hin und her geschleudert wird.
Soll man also einfach nicht wieder von Lügen statt von Fake News sprechen, die es immer schon gegeben hat? Für Nietzsche ist zum Beispiel der Wille zum Schein, zur Illusion, zur Täuschung stärker als der Wille zur Wahrheit. Und auch schon Platon fragte im Dialog über die Lüge: Ist die Lüge ein Defekt oder eine (kommunikative) Kompetenz? Eine Diskussion, die auch in der PR-Branche immer wieder hohe Wellen schlägt. Ausgelöst hatte die Diskussion der Kommentar „Sprecher und Täter“ von Handelsblatt-Redakteur Sönke Iwersen. Anlässlich des Schadenersatz-Prozesses gegen den Billigstromvermittler Teldafax wegen Kundentäuschung forderte er vor rund fünf Jahren den Berufsstand der Pressesprecher zu mehr Ehrlichkeit auf.
Läuft alles rund, arbeitet die Kommunikation der Unternehmen auf Hochtouren. Wöchentlich werden Pressemitteilungen oder Meldungen ins Unternehmen versendet, und der CEO präsentiert sich stolz der Presse. Das ist legitim, denn Belegschaft sowie Kapitalmarkt müssen wissen, dass das Unternehmen auf Kurs ist. Es gibt aber auch Zeiten, in denen es schlecht läuft. Beispiel Diesel-Skandal, der nicht zu Ende gehen will, wie die aktuellen Razzien bei Audi in Ingolstadt und Neckarsulm deutlich machen.
Gerade in solchen Zeiten muss das Unternehmen aktiv informieren – nach innen und außen. Andernfalls werde jahrelang aufgebautes Vertrauen zerstört und die permanente Unsicherheit nagt am Betriebsfrieden. So schlug auch die Botschaft über den geplanten Verkauf von Opel wie ein Blitz aus heiterem Himmel ein und verunsicherte alle Beteiligten in Deutschland. Hier brachte erst der Aufschrei der Opelaner die Kommunikation nach innen auf Kurs. Sowohl GM-Chefin Mary Barra wie auch Opel-Chef Karl-Thomas Neumann wandten sich daraufhin in Briefen an die Mitarbeiter und warben persönlich für den Verkauf an die französische Konkurrenz.
Zu oft wird in den Unternehmen nicht offen die Meinung gesagt. Mitarbeiter schweigen, weil sie fürchten, dass ihnen das kritische Wort wie ein Bumerang um die Ohren fliegt. Chefs halten kritische Informationen häufig um der Karriere willen zurück oder kleiden ihre Meinung in so schwammige Worte, dass es eines Dolmetschers bedarf, um sie zu verstehen. Die Angst vor der eigenen Courage wird dadurch zum kommunikativen Problem.

Dr. Gerhard Vilsmeier, Interne Kommunikation

Dr. Gerhard Vilsmeier studierte Kommunikations- und Zeitungswissenschaften in München und Wien. Schon während der Universitätszeit war er bei der ARD als Redakteur für Hörfunk und Fernsehen – vornehmlich für den Bayerischen Rundfunk – tätig. Ab 1987 arbeitete er bei der Siemens AG u.a. als Referent für AV-Medien, dann als Chefredakteur der Mitarbeiterzeitschrift SiemensWelt, später als Leiter der internen Kommunikation und schließlich als Leiter Marketing & Communications bei Siemens Real Estate. Mit Oktober 2009 leitet er sein eigenes Medienbüro für interne und externe Kommunikation – i&e Communications.