Verena Wölkhammer: „Orientierung entsteht nicht durch mehr Kommunikation – sie setzt Klarheit in der Führung voraus.“

Verena Woelkhammer

Prof. Dr. Verena Wölkhammer ist Beraterin und Coachin und gibt bei der Tagung Interne Kommunikation am 10. Juni in Düsseldorf eine Masterclass zum Thema „In komplexen Zeiten handlungsfähig bleiben: Wie Kommunikation und Führung Orientierung ermöglichen“. Wir haben ihr vorab drei Fragen gestellt.

Verena, was beobachtest du gerade in Organisationen – welches Muster begegnet dir immer wieder?
In meiner Arbeit mit Unternehmen begegnet mir derzeit immer wieder ein ähnliches Muster: Entscheidungen werden vertagt, Führungskräfte sind erschöpft, in den Teams fehlt Zuversicht. Und aus der Geschäftsführung wächst der Druck, dass es schneller gehen muss.
Es ist sehr viel in Bewegung – und gleichzeitig kommt die Organisation ins Stocken. Im Alltag bleiben viele Unklarheiten ungelöst – auf Organisationsebene, in der Führung und in den Teams. Die zentrale Frage bleibt offen: Woran richten wir unser Handeln konkret aus?
In dieser Unsicherheit greifen viele Organisationen wieder auf alte Muster zurück – stärker kontrollierend, stärker steuernd. Und genau das verstärkt das Stocken, weil es Verunsicherung erhöht und Selbstwirksamkeit reduziert.

Wenn du an eine Situation denkst, in der Führung oder Kommunikation wirklich Orientierung gegeben hat – was war da anders als sonst?
Orientierung entsteht nicht durch mehr Kommunikation – sie setzt Klarheit in der Führung voraus. Sie beginnt meist damit, dass Führung selbst klärt: Was ist jetzt wirklich entscheidend?
Ich habe das zuletzt in einem Transformationsprozess erlebt: Die Führungsebene hat sich bewusst Zeit genommen, sich zwischen „Stabilität sichern“ und „Veränderung vorantreiben“ auszurichten. Erst daraus entstand wirksame Kommunikation – über Erklärformate, Dialogräume und den offenen Umgang mit Spannungen. So wurden die entscheidenden Bezugspunkte im Alltag klar.

Was ist ein kleiner, praktischer Schritt, den Kommunikator*innen oder Führungskräfte diese Woche ausprobieren könnten?
Es wird mehr kommuniziert als je zuvor – mehr Meetings, mehr Formate, mehr Kanäle. Und trotzdem entsteht nicht automatisch mehr Orientierung.
Ein praktischer Schritt, um dieses Kommunikationsparadox zu lösen: Starte nicht bei Formaten oder Kanälen. Geh gedanklich ganz nah in den Alltag der Menschen. Konkret: Wähle eine zentrale Zielgruppe und betrachte einen typischen Arbeitstag. In welchen Momenten sind Menschen aufnahmefähig und wann nicht? Die entscheidende Frage: Trägt das, was du kommunizierst, in diesem Alltag wirklich zur Orientierung bei oder entsteht eher zusätzliche Unruhe?

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