Dr. Georg Kolb: „Führungskräfte coachen und ihnen ehrliches Feedback geben, auch wenn es unbequem ist.“

Bei seiner Keynote „Fünf Erfolgsfaktoren zeitgemäßer Führungskommunikation“ spricht Dr. Georg Kolb von Klenk & Hoursch über die Kernkompetenzen der Führung in unsicherer Zeit. Wir haben ihm vor ENGAGE!-Online-Konferenz am 25. März drei Fragen gestellt.
Wo klaffen Anspruch und Realität in der Führungskommunikation derzeit am deutlichsten auseinander?
Die wichtigste Aufgabe der Führungskommunikation ist es, die Strategie zu vermitteln und die Mitarbeitenden auf dem Weg des Unternehmens mitzunehmen. Sie müssen verstehen, wohin die Reise geht und welchen Beitrag sie leisten können. Dies gelingt jedoch zu selten, was oft am vernachlässigten mittleren Management liegt. Es ist die entscheidende Vermittlungsebene jeder Strategie und jeder Transformation. Es übersetzt Narrative in den Alltag, fängt Zweifel auf und gewinnt oder verliert das Vertrauen der Teams. Und es ist gleichzeitig am stärksten betroffen und am wenigsten kommunikativ vorbereitet.
Wenn Sie Führungskräften einen unbequemen Rat mitgeben müssten, was sollten sie sofort anders machen?
Fokussieren, auch und gerade in der Kommunikation. Die Vielfalt an Themen, Kanälen und hybriden Arbeitsformen führt leicht zu Zerstreuung. Viele Meetings, parallele Tools und wechselnde Teamkonstellationen stehlen Zeit für die eigentliche Arbeit. Daher sind klare Regeln für Fokus und Prozesse sehr wichtig. Kanal-Governance legt beispielsweise fest, welche Inhalte über das Intranet, welche über Kollaborationstools laufen, was per Chat geklärt wird, was per E-Mail dokumentiert wird und wann wirklich Meetings nötig sind. Solche Konventionen erhöhen die Effizienz und schaffen Transparenz hinsichtlich Reaktionszeiten und Dokumentation.
Welche konkrete Rolle sollte die Interne Kommunikation übernehmen, damit die Führungskommunikation wirklich wirkt – jenseits von Leitfäden und Toolkits?
Wirksame Führungskommunikation braucht eine IK, die mehr ist als eine Produktionsstätte. Konkret heißt das: Führungskräfte nicht nur briefen, sondern coachen und ihnen ehrliches Feedback geben, auch wenn es unbequem ist. Botschaften auf ihre Glaubwürdigkeit prüfen, bevor sie gesendet werden. Signale aus der Organisation aufnehmen und nach oben spiegeln. Und: Das Mittelmanagement aktiv begleiten, statt es mit Toolkits abzuspeisen. Es muss befähigt werden, eigene Worte zu finden. Kurz: Die IK muss strategische Partnerin sein, nicht Dienstleisterin.
