Hans Frisch, Director Creative Film bei der Profilwerkstatt, berichtet im Interview darüber, wie die interne Kommunikation Videos effektiv einsetzen kann und welche Möglichkeiten deren Nutzung bietet.

Herr Frisch, Videos sind in der externen Kommunikation ein gängiges und beliebtes Werbemittel. Auch in der internen Kommunikation werden sie zunehmend genutzt. Was führt zu dieser Entwicklung bzw. wieso werden Videos als internes Kommunikationsinstrument immer beliebter? 

Videos sind bei uns Menschen einfach sehr beliebt. Das kann man/frau vielleicht schon an seinem ganz persönlichen Mediennutzungsverhalten erkennen. Spätestens der Blick auf diverse Studienergebnisse (wie beispielsweise die ARD/ZDF-Onlinestudie) macht klar: Videos steigen kontinuierlich in der Gunst der Nutzer*innen. Deshalb wird Bewegtbild auch von den Algorithmen der sozialen Plattformen bevorzugt behandelt und prominenter ausgespielt. Der Grund für die Beliebtheit von Videos liegt in der Eigenart des Mediums: Es lässt sich sehr bequem konsumieren, strengt mich also weniger an als Lesen. Denn Videos können auf besondere Weise Unterhaltung und Information miteinander verknüpfen – wenn sie richtig konzipiert sind. Diese Vorteile macht sich zunehmend auch die interne Kommunikation zu Nutze.

Welche Inhalte werden vorrangig über Videos in der internen Kommunikation geteilt und welche Vorteile bieten sie gegenüber Texten und Bildern? 

Menschen interessieren sich für Menschen – das gilt auch für die interne Kommunikation. Dementsprechend nehmen interviewbasierte Videos einen großen Raum ein. Der Vorteil gegenüber Text und statischem Bild: Im Video bekomme ich einen viel stärkeren Eindruck von der Persönlichkeit, die zu mir spricht. Dadurch wirken Videos emotionaler und je nach Wahl der Persönlichkeit vor der Kamera auch glaubwürdiger. Ergänzend sind animierte Erklärfilme ein sehr guter Wissensvermittler und haben sich im Formatmix der internen Kommunikation fest etabliert. Weiterhin lässt sich Bewegtbild auch besonders aufmerksamkeitsstark gestaltet. Deshalb wird es häufig als Teaser für Veranstaltungen, Aktionen oder Kampagnen eingesetzt.

Wie nutzt man in der internen Kommunikation Videos am effektivsten? Wie sollten sie gestaltet sein, bzw. welche Inhalte sollten sie haben, um für die gesamte Belegschaft interessant zu sein?

Am effektivsten nutze ich Videos, wenn ich vorher klar bestimme, auf welches Ziel sie einzahlen sollen. Geht es darum

  • die Identifikation der Mitarbeiter*innen mit dem Unternehmen zu stärken?
  • das Verständnis für wirtschaftliche und strategische Ziele zu verbessern?
  • Unternehmenswerte zu vermitteln?
  • den Wissenstransfer zu fördern?
  • eine Dialogkultur zu stärken?

Für jedes dieser Ziele gibt es die passenden Videoformate. Dabei gilt grundsätzlich: Videos sollten immer Ausdruck der Unternehmenskultur sein und hinsichtlich Tonalität und Gestaltung mit ihr im Einklang stehen. Dabei sollte ich unbedingt die wichtigste Grundregel beachten: Niemals langweilen!

Für welche Unternehmen eignet sich der Einsatz von Videos in der internen Kommunikation besonders? Macht es auch für kleine Unternehmen Sinn?

Kleine Unternehmen haben den großen Vorteil, dass der persönliche Austausch zwischen den Mitarbeiter*innen unmittelbarer funktioniert. Persönliche Treffen sind immer stärker als Videos. Deshalb sollte ich ihnen, wo irgendwie möglich, den Vorzug gegeben. Jedoch bereits ab einer Größe von 100 Mitarbeitern – eventuell noch auf mehr als einen Standort verteilt – stoßen Face-to-Face-Formate an ihre Grenzen, sofern alle gleichzeitig erreicht werden sollen. Videos sind deshalb eine perfekte Ergänzung zum persönlichen Austausch – in Zeiten von Corona sogar ein wichtiger Ersatz, für all die Treffen, die nicht durch virtuelle Meetings kompensiert werden können. Voraussetzung dafür ist allerdings die technische Infrastruktur. Nur wenn sichergestellt ist, dass meine Videos die Mitarbeiter*innen auch bequem erreichen, stimmt am Ende die Quote.   

Was raten Sie Unternehmen, die zukünftig Videos in ihrer internen Kommunikation nutzen möchten?

Im ersten Schritt muss geklärt werden, wie sich technisch gesehen möglichst viele Mitarbeiter*innen mit Videos erreichen lassen. Ist mein Intranet gut geeignet Bewegtbild auszuspielen? Können Mitarbeiter*innen ihre privaten Endgeräte für die Wiedergabe nutzen? Und so weiter. Im zweiten Schritt sollte geklärt werden, bei welchen Zielen und Herausforderungen der internen Kommunikation Unterstützungsbedarf besteht. Im dritten Schritt können dann die passenden Videoformate für diese Aufgabe gewählt und an die Unternehmenskultur adaptiert werden. Und dann heißt es: ausprobieren, lernen, Erfahrungen sammeln und die Möglichkeiten des Mediums sukzessive ausschöpfen.

Hans Frisch ist Director Creative Film bei der Profilwerkstatt in Darmstadt. Im Jahr 2011 hat er dort den Geschäftsbereich Bewegtbild aufgebaut und seitdem zahlreiche Formate für die interne und externe Unternehmenskommunikation entwickelt. Frisch ist geprüfter PR-Berater (DAPR) und hat Germanistik, Theater- Film- und Medienwissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main studiert. Zuvor war er freier Mitarbeiter beim Hessischen Rundfunk und Inhaber eines IT-Startups.

 

Artikelbild: Unsplash

Videos in der internen Kommunikation

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