Lutz Hirsch, geschäftsführender Gesellschafter der Full-Service Agentur HIRSCHTEC, berichtet im Interview über den digitalen Arbeitsplatz und wie dieser Einfluss auf den persönlichen Austausch der Mitarbeitenden nimmt. 

Herr Hirsch, der Digitale Arbeitsplatz ist derzeit in aller Munde. Was genau verbirgt sich hinter dem abstrakten Begriff und welche drei Aspekte sind die wichtigsten Charakteristika?

Wenn man den digitalen Arbeitsplatz heute wirklich integriert denkt, dann verbirgt sich dahinter weit mehr als lediglich der Einsatz neuer, digitaler Werkzeuge. Es handelt sich vielmehr um das sinnvolle Zusammenspiel von innovativen Hard- und Software-Komponenten, transparenter persönlicher und digitaler Kommunikation sowie Raumkonzepten, die eine Kultur des Teilens unterstützen. Transparenz, Flexibilität und Modernisierung – das sind dabei die drei Haupttreiber für den digitalen Arbeitsplatz.

Wie können persönliche Formate auf digitalen Kanälen aussehen? Ist der analoge Austausch von Angesicht zu Angesicht nicht unersetzbar?

Absolut, der analoge Austausch ist und bleibt unverzichtbar. So hat auch eine Kantar EMNID-Umfrage im Auftrag von HIRSCHTEC in 2017 ergeben, dass 81 Prozent der Berufstätigen in Deutschland das persönliche Gespräch für produktiver halten. Nur 18 Prozent bevorzugen den digitalen Austausch. Aber: Digitale Kanäle sind äußerst hilfreich, um das persönliche Gespräch anzubahnen – gerade dann, wenn Mitarbeiter*innen in Organisationen über zahlreiche Standorte verteilt arbeiten.

Persönlicher Austausch auf digitalen Kanälen kann z. B. in Form von Zusammenarbeit in bestimmten Projekt- oder Themengruppen (bspw. in Microsoft Teams) stattfinden. So können z. B. die für die Gestaltung der Weihnachtsfeier verantwortlichen Mitarbeiter*innen aus verschiedenen Abteilungen und Standorten, die komplette Organisation über Microsoft Teams abwickeln – und zwar indem sie sich ganz einfach im Chat austauschen, gemeinsam an Dokumenten arbeiten oder auch Notizen festhalten. Eine weitere Möglichkeit sind z. B. CEO-Videokolumnen im Intranet, in denen die Geschäftsführung ganz persönliche Einblicke in ihren Arbeitsalltag gibt und über Themen berichtet, die die Organisation bewegen. Und noch ein Beispiel für digitale Formate: In internen Social Networks – wie z. B. Yammer – können Wissensträger ihre Expertise zu bestimmten Themen verbreiten (z. B. Einführung von Office 365), das Feedback weiterer Experten/Gleichgesinnter einholen und so relevante Informationen in die Organisation hineintragen.

Wie genau können digitale Kanäle Wertschätzung transportieren und was hat das mit Mut zu tun?

Interne Social Networks sind sehr gute digitale Helfer – gerade auch für Führungskräfte – um Anerkennung und Wertschätzung zu vermitteln. Und das funktioniert nicht nur ganz einfach, es kostet noch nicht einmal viel Zeit. Führungskräfte können zum Beispiel bei erfolgreichem Projektabschluss ihrem Team gratulieren und eine Meldung posten wie: „Toll! Da haben Sie alle zusammen eine großartige Leistung erbracht!“. Oder sie können auch neuen Mitarbeiter*innen, die sich sehr schnell eingearbeitet haben, ein besonderes Lob aussprechen wie: „Klasse, dass Sie sich in kürzester Zeit in das Projekt XY eingearbeitet haben!“.

Was das mit Mut zu tun hat? Mut ist hier vielleicht nicht das richtige Wort, vielmehr braucht es eine Aufgeschlossenheit gegenüber diesen neuen Tools und den Willen, auch über digitale Kommunikation zu führen und noch näher an das eigene Team zu rücken.

Können digitale Plattformen als zentraler Treiber des Kulturwandels eingesetzt werden bzw. diesen einleiten oder ist eine passende Unternehmenskultur die Grundvoraussetzung für das Gelingen von Digitalisierungsprojekten?

Digitale Plattformen treiben den Kulturwandel in Unternehmen auf jeden Fall mit voran. Allerdings gilt es bei jeglichen Digitalisierungsprojekten immer auch, den digitalen Reifegrad der Organisation und die je spezifische Unternehmenskultur zu berücksichtigen. Wird in einem Unternehmen aktuell noch eher wie in der digitalen Steinzeit gearbeitet und ist die Kultur von Hierarchiedenken geprägt, so wird eine plötzliche Einführung von modernen Kommunikations- und Kollaborations-Tools, die auf Transparenz und hierarchieübergreifende Vernetzung setzen, nicht von Erfolg gekrönt sein. Schritt für Schritt vorzugehen ist da oft besser, als sich zu viel auf einmal vorzunehmen.

Lutz Hirsch ist geschäftsführender Gesellschafter von HIRSCHTEC. 2005 gründete der Diplom-Physiker die Full-Service Agentur für digitale Arbeitsplätze, die neben dem Hauptsitz in Hamburg mit Büros in Düsseldorf, Berlin, Wien und Zürich präsent ist. HIRSCHTEC ist auf die ganzheitliche, schlüsselfertige Einführung von Social Intranets, Mitarbeiter-Apps und „Digital Workplace“-Lösungen spezialisiert. Die Agentur zählt laut BVDW-Ranking 2019 zu den 50 größten Digitalagenturen in Deutschland und belegt Platz 3 unter den am schnellsten wachsenden. Zu den Kunden von HIRSCHTEC gehören u.a. die Deutsche Bahn, die Bundesbank, Air Liquide, Ricola, Siemens Gamesa, Stadtwerke Düren, FRoSTA und Weleda.

 

Artikelbild: HIRSCHTEC

Der Digitale Arbeitsplatz: Persönlicher Austausch auf digitalen Kanälen

Erhalten Sie weitere Einblicke in die Praxis guter interner Kommunikation auf den Praxistagen Interne Kommunikation 2.0 der SCM am 17./18. März 2020 in Frankfurt am Main. Zu dem Motto „Vom Social Intranet zum digital Workplace“ referiert unter anderem auch Lutz Hirsch zu den Themen Intranet, Office 365 und moderne Mitarbeiterkommunikation.

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